… um der sinnentleerten Existenz im selbstgewählten goldenen Käfig für ein paar Stunden in der Woche zu entfliehen – 

ACHTUNG: Dies ist eine nicht gänzlich ernstzunehmende, aber auch nicht gänzlich von der Hand zu weisende, persönliche Betrachtung momentaner und kommender Wandertrends  😉

Was gab es nicht schon alles und gibt es noch, um den von der Evolution anscheinend optimal für das Sitzen auf dem heimischen Sofa geschaffenen Wohlstandsmenschen, in die ihn umgebende Natur zu locken? Da lachen viele heute über unsere Vorfahren, die mit ´ner Pulle Korn im Gepäck, einem fröhlichen Sang auf den Lippen und mit dem genormten Outfit alter Tage (Krachlederne, Kniebundsocken, Karohemd) durch den dunklen Tann marschierten. Aber diese Zeiten neigen sich mit rasender Geschwindigkeit ihrem Ende, denn heute sind wir modern, aufgeschlossen und vollständig zivilisiert. Da gibt es wesentlich vernünftigere Arten, sich der beseelten Natur zuzuwenden, z.B….

eine Art Spaziergehen nach strenger Vorschrift mit unbrauchbarer Karte und überteuerter Unterkunft. Sollte man nicht mehr weiter wissen oder keine Lust mehr haben, erfolgt ein zeitnaher Abtransport vom nächstgelegenen Rettungspunkt. Wer sich schon einmal gewundert hat über diese Punkte, dem sei gesagt, das sie extra für diese Art des Wanderns ins Leben gerufen wurden.
ein bunter Mix aus Nordic Walking, Jogging und Marathon im Wald mit diversen Ablegern wie z.B. Speedcross-Hiking, Speed-Mountain-Hiking, Speed-Boulder-Hiking und Hybridformen wie z.B. dem Nordic-Speed-Cross-Boulder-Hiking.
eine Art „Zoo to go“ mit dem Flair einer Andenwanderung im Stile der Inka, die nur dadurch möglich ist, das Lamas zu den umgänglichsten und freundlichsten Vertretern der Tierwelt gehören. Andere Tiere würden nicht einfach nur gutmütig irritiert gucken und sich durch ein paar Leckerlis dazu zwingen lassen, so etwas mitzumachen.
An bestimmten Tagen des Jahres, an denen die meisten anderen Wanderer möglichst etwas anderes tun, ziehen zumeist mehr oder weniger junge Männer, die ansonsten einen Wald nur betreten, um mit ihrer Freundin etwas spannendes zu erleben oder ihren Müll wegzuschmeißen, mehr oder weniger marodierend durch die heimischen Forste. Anfangs nach einem festgelegten Plan, später schon viel spontaner und etwas unkontrolliert wirkend, ausgestattet mit einem immer leerer wirkenden Gesichtsausdruck und einem sich ebenfalls rasend schnell leerenden Bollerwagen, geht es durch die belebte Natur, deren mobile Bestandteile sich an diesem Tag zum größten Teil in heilloser Flucht befinden.

Wer darüber mit dem Kopf schüttelt, der wird sich wundern, was sich findige Tourismusmanager und andere „Wanderexperten“ noch einfallen lassen werden, um den innovationsfreudigen Zivilisationsmüden das Geld aus der Tasche dazu zu bringen, frohen Mutes in unsere wundervolle Natur zu ziehen. Da gibt es meines Wissens nach schon Planungen für…

Mit Kameras ausgerüstete Drohnen bieten einige große Vorteile beim Wandern. Man kann sie z.B. den Berg hochfliegen lassen, ohne selbst raufklettern zu müssen.  Ebenso kann man damit Höhlen erforschen und Tiere aus nächster Nähe beobachten, sobald die momentan verwendeten Düsentriebwerke gegen den in Planung befindlichen Magnetoaerodynamischen Antrieb ausgetauscht wurden.
Wandern im Raumanzug – der Top Trend 2015! Im Sinne und im Look von „Interstellar“ machen wir uns auf die imaginäre Suche nach einem neuen Planeten. Der alte ist nämlich total verwohnt, weist erheblichen Sanierungsbedarf auf und der Eigentümer kann nicht belangt werden, da er trotz intensiver Suche bisher unauffindbar geblieben ist.
Der Mega-Supidupi-Öko-Activity-Trend für 2016! Wir ernähren uns nur streng Steinzeitvegan, was bedeutet, das wir nur Gras essen, insoweit uns die herzerweichenden Schreie der zarten grünen Halme nicht stören. Dazu bleiben wir alle 15 Minuten stehen und bewegen uns im Rythmus der uns umgebenden Schöpfung zu den Klängen unterschiedlichster Tänze aller Herren Länder, wie z.B. Salsa, Cuba Libre, Bauchtanz, Mettwurst, Flamenco, Lipsi, Ententanz oder Wabbelwabbel.
Irgendwann im März, wenn die Natur noch relativ farbarm daherkommt, zieht man, bewaffnet mit einigen Tonnen getrockneter und gemahlener Reste der Farbindustrie, in den unschuldigen Wald, zieht sich mehr oder weniger nackig aus und beginnt sich gegenseitig und alles um einen herum damit zu beschmeißen. Das macht Freude, regt den Kreislauf an und die Natur sieht nicht mehr so langweilig aus.
Irgendwann in nicht allzu ferner Zeit, wenn 70% unserer Landesfläche nicht nur von großzügig ausgelegten Gewerbe- und Neubaugebieten, sondern größtenteils auch von Solarfeldern, Maiswäldern und Windenergiemeilern versiegelt ist, kann man tagelange Märsche durch diese achso sauberen, ehemals als unsere Umwelt bezeichneten, neoindustriellen Komplexe machen. Die Befürworter dieser „Save New World, die größtenteils eh alle den lieben langen Tag auf der Butze, im Theater, Hotel oder im Büro hocken, freuen sich über … die vollen Portemonnaies blühenden Landschaften, die sie uns allen damit beschert haben.

In einer Welt der unbegrenzten Unmöglichkeiten gibt es selbstverständlich noch unzählige weitere Maschen innovative Denkansätze, wie z.B. Wandern nach Zahlen, Promi-Wandern oder Wandern im Knast. Damit lässt sich mit Sicherheit ein wahrlich prächtiger Gewinn ein wertvoller Beitrag zum endgültigen Erreichen des Weltfriedens erzielen. Auch neue Wander-TV-Serien sind im kostenlosen, dafür suboptimal qualitativen Fernsehen bald zu erwarten, z.B. „Der Trödeltrupp – jetzt aber schneller!“, „Die Wanderprofis – Einsatz im Wald“ oder „Einsam unter Buchen – Wanderer suchen Liebe“.

Abseits jeglichen Sarkasmus, dessen ich mich schon seit langem zu entledigen versuche, haben wir persönlich vom Trend Wandern nicht viel mitbekommen. Das liegt meiner Ansicht nach auch daran, das wir oft abseits der breiten Wege der Neuzeit wandern. Denn der Trend produziert eine Vielzahl von sogenannten Premium-(Fern)Wegen, die meistens aus bereits vorhandenen Wegen neu zusammengebastelt und massiv beworben werden. Dazu gehören Wege wie der Hochrhöner, der Rothaarsteig und auch in unserer Gegend, die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Themenwege, wie die „Harzerwege“, zu denen Försterstieg, Bauden- und Hexenstieg u.v.m. zählen. Das ist alles grundsätzlich nicht übel und wir sind selbst bewusst oder unvermeidlich schon oft auf diesen Wegen gewandert. Die Gefahr dabei ist, das durch die starke Polarisierung auf diese Wege und die wohl abnehmende Anzahl der Mitglieder in Wandervereinen, die kleinen, oft aber viel feineren Wege vernachlässigt werden und nach und nach verschwinden.

Darum möchte ich an dieser Stelle, alle Liebhaber der „kleinen Wege“ darum bitten, wenn die finanzielle Situation es erlaubt, sich zumindest eine passive Mitgliedschaft in einem der örtlichen oder regionalen Wandervereine zuzulegen. Viele von ihnen hegen und pflegen ihren Wegebestand mit viel Liebe zum Detail und ermöglichen es uns allen, diese wanderbaren Wege zu genießen. Beispiele für solche, gibt es von unserer Seite genügend. Stellvertretend möchte ich an dieser Stelle, den Harzklub Zweigverein „Lutter am Barenberge“ nennen, der den Walderlebnispfad am Nauer Berg, erst vor kurzem zu neuem Leben erweckt hat und dessen wunderbare Ohe-Hütte, jeden 2. Sonntag im Monat, auch für Gäste Kaffee und Kuchen bereithält. Ebenfalls bedanken kann man sich unbekannterweise bei denjenigen, die den Rastplatz am Holzberg oberhalb von Linnenkamp, und die alten Wege rundherum saniert haben. Das ist einer der schönsten Rastplätze unserer Republik und jeder Besucher meiner Site begegnet ihm im Slider, beim Aufruf der Homepage.