Der verspätete und „krönende“ Abschluss unserer Ith-Rundwanderungen, von der Segelfliegerei zu den „letzten ihrer Art“ —

Segelfliegerei Ith – NSG „Ith“ – Bärenhöhle – Kelchstein – Rothesteineck – Obliwand – Parkplatzwand – NSG „Ithwiesen“ – Segelfliegerei Ith
Mitte März 2015
Eine der zahlreichen Parkmöglichkeiten an der Bergseitenstraße. Alternativ der Waldparkplatz am nördlichen Rand von Holzen
200 Höhenmeter Steigungen. Hinab nach Holzen, dann wieder hinauf zur Segelfliegerei
Bergseitenstraße mit Aussichten, NSG „Ithwiesen“, NSG „Ith“ mit zahlreichen Klippen

ACHTUNG: Dies ist, aus nördlicher Richtung gesehen, die fünfte und letzte von insgesamt 5 Rundwanderungen am Ith, die wir zwischen August 2013 und März 2015 durchgezogen haben. Alle fünf Wanderungen, sind ganz unten, unter dem Punkt „Verwandte Beiträge“, zu finden.

Blick von den Ithwiesen zum Thüster Berg

Blick von den Ithwiesen zum Thüster Berg

Die fünfte Ith-Tour, haben wir erst lange nach der vierten gemacht, weil wir lange überlegten, ob es überhaupt noch Sinn machen würde. Denn hier hatten wir vor über 15 Jahren, bereits etliche Wegeschwierigkeiten zu überwinden. Das ist nicht besser geworden, und so hat es jetzt fast 1,5 Jahre gedauert, bis ich mich entschlossen habe, das letzte, kleine Stück trotzdem noch einzustellen. Das ist aber nicht nur wegen der kurzen Strecke, keine traditionelle Wanderung mehr. Deshalb sollte man den von uns gegangenen Weg, eher als einen lockeren Vorschlag, für eine Exkursion in die Klippen ansehen. Viele „Wege“ sind selten genutzte Zu- und Abwege für Kletterer, und je nach Jahreszeit, schlecht bis gar nicht mehr erkennbar oder gar verkrautet. Zu empfehlen wäre wohl eine Tour vom Parkplatz bei Holzen aus, bis Höhe Soldatenhöhle und zurück. Die mittlerweile teilweise verlegten, offiziellen Wanderwege (Ith-Hils, XR, E11), berühren das Gebiet im Grunde genommen gar nicht … was aber auch durchaus vernünftig ist.

Als Startpunkt wählten wir unseren Lieblingsparkplatz am Bergseitenweg von der Segelfliegerei Holzen-Ith. Wenn wir, grob gesehen, aus Richtung Westdeutschland nach Hause fuhren, haben wir hier oft ein aussichtsreiches Päuschen eingelegt. Ein schöner, zumeist ruhiger Platz. Von hier aus gehen wir erst ein Stückchen in Richtung „Siedlung“ zurück und schlagen uns dann links, im wahrsten Sinne des Wortes, in die Büsche. Nach ein paar Metern, direkt an einem NSG-Schild, geht es noch einmal nach links. Da in diesem, wie fast allen Naturschutzgebieten, das Wegegebot gilt, kann man diesen Weg noch nehmen. Allerdings wird dieser Weg nicht mehr gepflegt und war schon im März ziemlich verkrautet. Wer sich, wie schon erwähnt, so etwas nicht antun mag, der nehme lieber die „offiziellen“ Wege, die allerdings wenig Sicht bieten, auf die hier „hinten“ noch einmal sehr spektakulären Klippen. Wer dem Weg folgt, trifft schon nach wenigen hundert Metern auf kleinere Felsformationen am Wegesrand, und schließlich auf die Bärenhöhle, die allerdings für uns, die keinen Schlüssel, keine Ausrüstung und keine Ausbildung haben, nur ein vergittertes Loch im Boden ist. An Frühblühern wird es hier zur rechten Zeit, eine ganze Menge geben. Wir erblickten an diesem Tag lediglich zarte Bärlauchtriebe, ein paar Seidelbaste und eine einzige, sehr frühe Buschwindrose.

Durch den herrlichen Buchenwald geht es weiter, bis wir auf den ebenfalls schwer erkennbaren Aufstiegspfad zum Kamm gelangen. Der ist wirklich beizeiten kaum noch im Gelände auszumachen, bringt uns aber zu einem der urigsten Plätze im Ith, zum Kelchstein. Auf einem langgezogenen Felsriff, steht an exponierter Stelle, eine vielleicht 4-5m hohe Formation, die, wie immer mit etwas Phantasie, wie ein etwas schiefer Trinkpokal aussieht. Alte, uralte Buchen stehen hier auf den Felsen und geben diesem Fleckchen, auch wegen der Abgeschiedenheit vom Massentourismus … man begegnet nur ab und zu freundlichen Kletterern … eine besondere Atmosphäre. Von hier aus, immer wieder begegnet man „Regeltafeln“ für die Kletterer, die auch für uns gelten, geht es weiter zum Rothesteineck. Dort begegnen wir auch den offiziellen Wanderwegen, die hier einmal die Klippen streifen. Unterhalb des Rothesteinecks kann man ein Stück gehen, muss aber, auch wegen Durchgangsverbot, zurück auf den oberhalb der Klippen verlaufenden Weg.

Der namensgebende Kelchstein

Der namensgebende Kelchstein

Das NSG Ith umfasst auf über 2.700ha hauptsächlich die höheren und die Kammlagen des Ith. Zahlreiche verschiedene Lebensräume prägen diesen großen Kalkbuchen- und Schluchtwald, unter anderem finden sich hier Quellbereiche- und Bachtäler, Schlucht- und Hangmischwälder, Fels- und Gesteinsbiotope. In einigen Bereichen finden sich montane bis alpine Lebensräume, auch einige nicht touristisch erschlossene Höhlen sind vorhanden. Die Pflanzenwelt zeigt sich besonders prächtig im Frühjahr mit ihrer Lerchensporn- und Anemonenblüte und dem zahlreich vorhandenen Bärlauch, es gibt aber auch später noch eine herausragende botanische Vielfalt mit seltenen Pflanzen, wie z.B. der Weißen Fetthenne, dem Silberblatt, dem Hirschzungenfarn und verschiedenen Orchideenarten. Die Tierwelt besitzt ebenfalls einen hohen Schutzwert. Es sind nicht nur die seltenen Arten, wie Wildkatze, Rotmilan, Schwarzstorch, Großes Mausohr oder Wanderfalke, die von einer großen Vielfalt zeugen.

Der führt uns zu den Holzener Klippen … die (leider) von Anfang Februar bis Ende Juli wegen Vogelbrut gesperrt sind. Das zweite oder dritte Mal, das wir Döspaddels zur falschen Zeit unterwegs sind. Geärgert haben wir uns aber nicht, auch wenn hier wohl die gewaltigsten Felswände des gesamten Ith aufragen, die man durch den „Baumdschungel“, selbst im Frühjahr nicht mehr sehen kann. Ein andermal! Wer zur rechten Zeit kommt, kann natürlich dem Pfad unter den Felsen folgen. Wir mussten hier eine Etage tiefer steigen, bis wir an der Himmelsleiterwand wieder hinauf durften. Diese Felsen am „Ende des Ith“, bieten aber immer noch ausreichende Schauwerte und der Abschied fällt dementsprechend schwer. Ich habe es zwar schon oft genug erwähnt und die meisten von euch werden es wissen: Der Ith ist Weltklasse! Gerade hier in Norddeutschland, wo man so etwas nicht vermuten würde, ist er im weiten Umkreis vollkommen konkurrenzlos. Noch einmal werden wir das hoffentlich nicht verdrängen, und solange wir noch können, des öfteren hier hiken gehen. Jetzt sind wir ganz unten angekommen und müssen wieder hinauf. In einem Bachtal fängt der „Aufstieg“ an, führt uns an einem Teichgelände vorbei, und dann auf einem ebenfalls etwas verkrauteten Weg, hinauf in die Ithwiesen, die aber ebenfalls einen hohen Erlebniswert bieten.

Das Naturschutzgebiet „Ithwiesen“, das aus drei Teilgebieten besteht, zieht sich von Fölziehausen im Westen, bis hinter das Segelfluggelände im Osten. Zwei kleinere Teilgebiete befinden sich zwischen Fölziehausen und Capellenhagen, das größere dritte zieht sich von dort bis zur Segelfliegerei. Es ist eines der größten Grünlandgebiete im niedersächsischen Bergland. Geprägt wird es durch blütenreiche Bergwiesen, artenreiche Säume, kleine Sickerquellen und Bachläufe, zahlreiche Gebüsche und Einzelbäume. Zu den typischen Pflanzen des Gebietes zählen der Heil-Ziest (Echte Betonie), Wiesenkümmel, Blutstorchschnabel, Echte Schlüsselblume, Fransen-Enzian und Teufelsabbiss. Die naturnahen Wiesen sind aber auch unverzichtbare Nahrungsquelle für verschiedene Raubvögel, wie den im Ith heimischen Uhu.

Blick zum Hils

Blick zum Hils

Ein wunderbares Landschaftserlebnis, hier unterhalb der Ithhöhen. Zahlreiche Sträucher und Bäume, vereinzelt wunderbar alte Exemplare, säumen unseren Weg und die nähere Umgebung. Je höher wir gemächlich steigen, umso schöner werden die Aussichten in den Hils und die umliegenden Hügel- und Berglande. Das Naturschutzgebiet „Ithwiesen“, bietet einen für den norddeutschen Raum recht seltenen Anblick und kann dementsprechend genossen werden. Unterhalb des Flugplatzgeländes der Luftsportvereinigung, von dem wir nichts zu Gesicht bekommen, zieht sich der weitere Weg durch die Wiesen. Unvermeidlich gelangen wir aber irgendwann auf die Bergseitenstraße, die uns letztendlich zurückführt, zu dem von uns bevorzugten Ausgangspunkt. Die fünfte Wanderung war die kürzeste und wäre nur ein langer Spaziergang, wenn da nicht der Umstand wäre, das man auch nicht sonderlich schnell vorankommt.

Trotz der Tatsache, das viele Wege etwas suboptimal waren und wir aufgrund der Sperrungen, nicht alle Felswände erwischten, war das ein wanderbarer Abschluss unserer Ith-Exkursionen. Ich will nicht schon wieder anfangen, den „Krückstock“ zu rühmen. Aber es gibt wohl nicht viele „markantere Kleingebirge“ als dieses. Kein Wunder, das sich zahlreiche Legenden und Mythen um den Höhenzug ranken und erhalten haben. Den Ith-Hils-Weg kann ich auch nur jedem empfehlen, wobei der Hils nicht gänzlich umsonst einen etwas schlechten Ruf hat. Viele breite Wege führen dort durch einen Flickenteppich aus viel Fichten- und weniger Laubwald. Andere Höhenzüge, wie der Thüster Berg, der Külf, der Duinger Berg und der Duinger Wald, sind da schon eher zu empfehlen. Aber jeder hat halt seine eigenen Ansprüche ans Wandern, und ich muss zugeben, das wir uns da in den letzten Jahren, selbst ein wenig verwöhnt haben. Auf jeden Fall allzeit eine Fußbreit festen Boden unter den Füßen und viel Spaß im sagenumwoben schönen Ith…

L I T E R A T U R
  • Haeupler/Mühr – Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands – Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild – ISBN 978-3800149902
    • Horst Kretzschmar – Die Orchideen Deutschlands und angrenzender Länder – ISBN 978-3494014197
      • Brunnert/Grage – Hoch im Norden: Kletterführer – ISBN 978-3936740950
      F O T O G A L E R I E

      W A N D E R K A R T E / D O W N L O A D GPX

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      Segelfliegerei Ith - Ith - Segelfliegerei Ith

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      Aussichtspunkt: 51.955004, 9.658136
      Start / Ziel: 51.955278, 9.657905
      Die Bärenhöhle: 51.951857, 9.655582
      Die Soldatenhöhle: 51.946791, 9.660974
      Luftsportvereinigung Ith-Wiesen: 51.949635, 9.662240
      Die Rothesteinhöhle: 51.946454, 9.661443
      Kelchstein und Krims-Kram: 51.948434, 9.659176
      Segelfliegerei Holzen-Ith: 51.961232, 9.652004
      Holzener Klippen: 51.941685, 9.669106
      Die Nasensteinhöhle: 51.942939, 9.666553
      Die Kinderhöhle: 51.942730, 9.666705
      Die Steinbruchwand: 51.940753, 9.672840
      Das Rothesteineck: 51.947168, 9.660845
      Parkplatz: 51.940042, 9.673516
      Naturschutzgebiet \'Ith\': 51.944979, 9.663978
      Fischteiche: 51.942893, 9.676699
      Naturschutzgebiet \'Ithwiesen\': 51.955400, 9.663355
      V E R W A N D T E
      B E I T R Ä G E
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