Sehenswerter Bergort mit einem deutlich spürbar lebendigem Dorfleben und vielen kleinen Sehenswürdigkeiten —

Der Bergort Osterwald, wie er sich selbst zurecht betitelt, ist ein recht „junges“, ca. 1250 Seelen umfassendes Dorf, das mittig zwischen Hildesheim und Hameln, am Fuße des gleichnamigen Höhenzuges im Leinebergland liegt. Der historische Ortskern bildet kein geschlossenes Bild, wie es heutzutage in Dörfern sowieso nur noch selten vorkommt, besitzt aber für den aufgeschlossenen Besucher einen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann und ein reges Dorfleben.

Vor ungefähr 15 Jahren entdeckten wir Osterwald mehr zufällig auf einer Wanderung vom Bhf. Bad Münder zum Bhf. Osterwald, die Strecke ist in etwas anderer Form heutzutage als „Bergmannsweg“ ausgewiesen. Damals machten wir daraufhin kurze Zeit später einen Ortsrundgang, von dem wir ziemlich begeistert waren. Da wir den ausgewiesenen Wanderweg für den Herbst ins Auge gefasst haben, dachten wir uns, es wäre endlich an der Zeit, noch einmal das Dorf zu erkunden. Wir waren mindestens genauso begeistert wie schon einmal!

1584 fällt das Fürstentum Braunschweig-Calenberg durch Erbschaft an Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg. Dieser lässt wohl eine Bestandsaufnahme seines neuerworbenen Territoriums erstellen, in der 1585 erstmals Osterwald erwähnt wird. Im gleichen Jahr ließ Herzog Julius vor Ort erfolgreich nach Steinkohle schürfen, 1587 kamen erfahrene Bergleute aus Clausthal/Harz, optimierten den Bergbau und gründeten den Ort Osterwald. Die Steinkohle war als „Nachfolger“ der Holzkohle begehrter Rohstoff und diente verschiedensten Betrieben als Brennmaterial. So fand die Kohle einen Abnehmer in der Saline Salzhemmendorf, später auch in der 1701 gegründeten „Osterwalder Glashütte“ des C.W. Wedemeyer, die bekannt wurde durch die als „Lauensteiner“ bezeichneten, hochwertigen Gläser. Weiterhin wurden im Osterwald noch Kalk- und Sandstein abgebaut, weitere Glashütten entstanden, von denen eine bald in eine Ziegelei umgewandelt wurde. Jahrhundertelang sorgte diese relativ hohe „Industriedichte“ für Lohn und Brot, der Niedergang begann im 19. Jh. und endete 1953 mit der Stilllegung des ältesten Steinkohlebergwerks im ehemaligen Königreich Hannover.

Antik-Cafe Zauberquell

Antik-Cafe Zauberquell

Schon von weitem fällt der Ort ins Auge, der sich abseits der Durchgangsstraßen an die Hänge und in den Wald des Osterwaldes schmiegt, hier kommt man nicht zufällig vorbei. Steigt man allerdings aus dem Auto und erkundet Osterwald, fühlt man sich ein wenig an eine der sieben Oberharzer Bergstädte erinnert. Der hohe Anteil Harzer Bergmannsfamilien und der jahrhundertelange Bergbau haben wohl dazu beigetragen, das sich hier eine besondere Atmosphäre erhalten hat. Überall im Ort findet man das Symbol von „Schlägel und Eisen“ und den Bergmannsgruß „Glück auf“, zahlreiche liebevolle Tafeln an vielen Stellen erklären die (Bergbau-)Geschichte Osterwalds. Es existiert wohl kein Faltblatt oder ähnliches für einen Rundgang, so muss man sich seinen Weg durch die teilweise engen und steilen Gassen, mit immer wieder herrlichen Aussichten ins weite Umland, spannenderweise selbst suchen. Der alte Ortskern zieht sich ungefähr vom Hüttenstollen den Steigerbrink hinunter zur Kirche und unterhalb derselben bis zur Heidestrasse, aber auch andernorts gibt es viel zu entdecken. Die alten Häuser und Gärten sind teilweise liebevoll gepflegt, am besten bringt man für eine Erkundung reichlich Zeit mit.

In den Wäldern rund um Osterwald finden sich ebenfalls noch Relikte der Vergangenheit, zu denen die vielen Steinbrüche zählen. Wanderwege kann ich wegen unserer Ortunkenntnis nicht empfehlen, der Osterwald ist aber, bedingt durch die lange Bergbautätigkeit, durch viel Fichtenwald und breite Wege gekennzeichnet. Rund um Osterwald gibt es schöne, kleine Pfade, ein längerer Spaziergang zum NSG „St. Avold“ mit Einkehr in der nahegelegenen Waldgaststätte Sennhütte ist auf jeden Fall interessant. Auch der bereits oben erwähnte Bergmannsweg von Bad Münder verbindet auf 21km Länge aussichts- und einsichtsreich Natur und Kultur. Für weitere Infos empfehle ich die Websites

Hier findet man zahlreiche Infos für einen Besuch, z.B. jede Menge geschichtliches zur Geschichte Osterwalds, eine Übersicht der ehemaligen Steinbrüche im Osterwald und einen Flyer zum Bergmannsweg.

Der Hüttenstollen

Der Hüttenstollen

Es muß, wahrscheinlich in der Nachkriegszeit, einen kleinen Tourismusboom in Osterwald im Zusammenhang mit dem Kurbetrieb in Salzhemmendorf gegeben haben, das belegen die vielen Rastplätze und Bänke, die überall zu finden sind. Etliche ehemalige Gaststätten, Pensionen und kleine Geschäfte zeigen teilweise noch deutliche Hinweise ihrer früheren Nutzung und tragen auch ihren Teil zum Flair des Ortes bei. Leider hat sich der wunderschöne Ort gegenüber der Konkurrenz im Umland wohl nicht behaupten können und ist heute eher ein Insidertipp für Neugierige. Die finden aber bei Interesse die Möglichkeit, die auf einem kulturhistorischen Spaziergang besuchten Orte näher kennenzulernen.

  • Bergwerksmuseum und Hüttenstollen – 1953 wurde der Betrieb des letzten Stollens eingestellt, seit 1980 hat der „Verein zur Förderung des Bergmannswesens Osterwald e.V.“ den Hüttenstollen für Besucher ausgebaut und betreibt das Bergwerksmuseum mit zahlreichen Exponaten und Infos zum Bergbau, Glasherstellung und Sandsteinabbau. Mit fachkundigen Führern kann man den Stollen begehen und die harten Arbeitsbedingungen unter Tage zumindest theoretisch nachempfinden. Anfangs mußten die Bergleute hier in engen Schächten im Liegen arbeiten, erst im 19. Jahrhundert wurden Stollen eingerichtet. Für Öffnungszeiten etc. bitte die Website des Vereins besuchen!
  • Die Osterwaldbühne – 1950 gegründete Freilichtbühne, die vom Verein „Freilicht- und Waldbühne Osterwald e.V.“ betrieben wird und herrlich am Waldrand Osterwalds, inmitten eines historischen Areals liegt. Im Laufe des Jahres finden hier ca. 50 Aufführungen für Erwachsene und Kinder statt, teils unter freiem Himmel (ca. 600 Plätze), teils im Studiotheater (77 Plätze). Ehrenamtliche und Laiendarsteller verstehen es seit über 60 Jahren immer wieder, ohne öffentliche Zuschüsse, das große und kleine Publikum zu begeistern. An der Freilichtbühne stehen einige sehenswerte alte Buchen, die als Naturdenkmal ausgewiesen sind.
  • Antik-Cafe Zauberquell – Das wohl im weiten Umland bekannte „Antik-Cafe Zauberquell“ bietet eine sehenswerte und erlebenswerte Atmosphäre. Die Idee, ein nostalgisches Cafe in einen Verkaufsraum für antike Möbel und Wohnaccessoires zu versetzen, ist zwar nicht neu, hier im Zauberquell aber schon lange so und wirklich herrlich ausgeführt. Kaffee und Kuchen sind „erste Sahne“ und verzücken weitere Sinnesorgane beim Besuch. Die zahlreich vorhandenen Parkplätze vor der Tür sind ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundung der Sehenswürdigkeiten des Ortes.
  • Herrenhaus/Kurhaus – Am Steigerbrink zwischen Cafe und Museum ist das 1826 erbaute Herrenhaus eines Glashüttenbesitzers mit kleinem Park zu bestaunen, ein alter Baumbestand ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Es wurde im Laufe der Zeit auch als Wohnhaus der Glasbläser, Kurhaus Osterwalds und heute als Wohnhaus genutzt.
  • Christuskirche Osterwald – 1897 geweihte evangelische Kirche oberhalb der Bergarbeitersiedlung. 1963 stark beschädigt und 1964 wiederhergestellt. Von hier oben bietet sich ein wunderschöner Ausblick ins weite Umland.
Ehem. Herrenhaus der Glashütte

Ehem. Herrenhaus der Glashütte

So vieles könnte man noch erwähnen und ich könnte mich wohl noch dutzendfach wiederholen, vieles haben wir aber auch übersehen auf unserer kurzen Exkursion, für tiefergehende Infos kann ich nur noch einmal die Website „Salzhemmendorfs“ empfehlen, unter Geschichte findet man noch viele weitere historische Orte, die besucht werden können, der Neugier sind hier keine Grenzen gesetzt.

F O T O G A L E R I E
G O O G L E M A P S


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