Die Giesener Teiche sind ein Kleinod innerhalb einer fantastischen Natur- und Kulturlandschaft nahe der Stadt Hildesheim —

Die Giesener Teiche – für mich ein „Heiliger Ort“! Das mag man belächeln, aber kennt nicht jeder mindestens einen Ort, an dem er sich einfach nur wohlfühlt, an den er sich immer wieder gerne erinnert und an den er immer wieder zurückkehrt? Hier war ich schon mit meinem Opa spazieren. Als Kinder lagen wir dann im Sommer auf den Wiesen und träumten davon, Soldaten zu sein. Als Soldat auf Geländeübung träumte ich davon, mich einfach auf die Wiesen legen zu können. Damals hatte ich kein Auge und vielleicht auch kein wirkliches Herz für die Schönheit dieser Landschaft, das hat sich im Laufe der Jahre letztendlich geändert, maßgeblich durch das Wandern, das mir die Sinne geöffnet, und mir eine Heimat eröffnet hat.

Ich habe im Verlauf meines Lebens gelernt, dass alle Menschen eine Neigung zu einem bestimmten Tier, einem Baum, einer Pflanze oder einem Fleckchen Erde haben. Wenn sie dieser Vorliebe mehr Beachtung schenken und danach trachten würden, auch wirklich zu verdienen, was sie so anzieht, dann würden ihnen ihre Träume sagen, wie sie ein reineres Leben führen könnten. Ein Mensch soll sein Lieblingstier auswählen und es studieren, bis er die Unschuld seines Verhaltens versteht und seine Laute und seine Bewegungen deuten kann.

Die Tiere wollen sich dem Menschen mitteilen, aber Wakan Tanka will nicht, dass sie es zu direkt tun –
der Mensch muss sich Mühe geben, sie zu verstehen.

Brave Buffalo, Medizinmann der Teton Sioux

Der Große Teich

Der Große Teich

Für einen Spaziergang zu den Giesener Teichen empfiehlt sich der Weg von der Mastbergstraße in Himmelsthür. Hier ist die Einfahrt verboten, aber man kann bis zur ehemaligen Waschanlage der Bundeswehr fahren und dort parken. Dies ist eine prädestinierte Stelle, um einen Einstiegspunkt für Wanderungen und Spaziergänge zu schaffen. Ein paar Bänke, Infos und vielleicht ein paar unauffällig gekennzeichnete Wege wären doch schon mal was. Von der „Giesener Seite“ ist es mittlerweile durch Bewirtschaftung der Wälder mit schwerem Gerät kein Zuckerschlecken mehr, zu den Teichen zu gehen, nur noch wenige Wege laden wirklich dazu ein. Ein bisschen schade ist das schon, da der Giesener Wald einst ein wunderschön begehbarer Wald war.

Das Gebiet der Giesener Teiche bildete sich im Trias vor ca. 225 Millionen Jahren, als ein flaches Meer diese Gegend bedeckte. Es besteht aus Buntsandstein und dem besonders am Großen Teich deutlich zu Tage tretenden Muschelkalk. Im Laufe der Jahrmillionen entstanden durch Verwitterungsvorgänge mehrere „Erdfälle“, die dann ab dem 18. Jahrhundert von der nahegelegenen Domäne der „Burg Steuerwald“ als Fischteiche genutzt wurden. Seit 1984 stehen die Giesener Teiche unter Naturschutz. Neben den natürlich vorhandenen Feuchtgebieten bildeten sich durch intensive Beweidung der Flächen auch Halbtrockenrasen-Gebiete aus. Infolgedessen sind die Giesener Teiche ein Refugium verschiedenster Tier- und Pflanzenarten, wie z.B. Mücken-Händelwurz, Fuchs´ Knabenkraut, Bienen-Ragwurz, Breitblättriger Rohrkolben, Sumpfdotterblume, Sumpf-Schrecke und viele mehr.

Der völlig zugewachsene Große Teich wurde gerade erst „saniert“ und befindet sich jetzt wohl in einem Zustand, den nur noch die „Sommerfrischler“ der Nachkriegszeit kennen dürften. Aus meiner Verwandschaft wurde mir immer wieder über Picknicks und Badespaß an den Giesener Teichen berichtet, am nahegelegenen Schießstand befindet sich ein kleines Häuschen, das früher wohl eine Gaststätte war. Nach langen Jahren des „Dornröschenschlafs“, in denen die Teiche zugewachsen und verschlammt waren und der angrenzende Übungsplatz Besuche einschränkte, zieht es heute wieder viele Naturfreunde hierher. Bleibt nur zu hoffen, das die Zeiten, in denen Motocross-Biker hier durchs NSG heizen, bald der Vergangenheit angehören.

Blick zum Kleinen Teich

Blick zum Kleinen Teich

Die Giesener Teiche werden aus mehreren Quellen gespeist, die allesamt nicht zugänglich sind. Einige Wege im westlichen Teil der Teiche sind heute aus Gründen des Naturschutzes nicht mehr vorhanden, wodurch das Erlebnis aber keineswegs eingeschränkt wird. Folgt man dem Bachlauf abwärts in Richtung Panzerstraße, gelangt man zum Kleinen Teich, der in seinem zugewachsenen Zustand belassen wird, um als Rückzug für Tiere dienen. Denn einmal jährlich soll dann der Große Teich abgelassen werden, um eine zu starke Fischpopulation zu verhindern. Vom Giesener Dreisch, der nicht mehr zum Naturschutzgebiet gehört, hat man einen wundervollen, weiten Ausblick über die Teichlandschaft bis nach Hildesheim.

Am Rand der großen Wiese stehen am Waldrand noch einige sehenswerte und mehr oder weniger sichtbare Eichen und Kopf-Hainbuchen, die früher wohl als Hute- und/oder Schneitelbäume genutzt wurden. Leider hat auch hier die moderne Forstwirtschaft Einzug gehalten und man hat unwillkürlich den Eindruck, die Bundeswehr hätte ihren Übungsplatz lediglich verlegt. Im nahegelegenen Giesener Wald befindet sich ein Hügelgräberfeld mit 43 Gräbern aus der Bronzezeit (1600-1200 v.Chr.), eine wahrscheinlich nahegelegene Siedlung konnte bis jetzt nicht nachgewiesen werden.

Wahrlich atemberaubend schön ist der Umstand, das diese kleine, aber faszinierende Teichlandschaft Teil eines NSG-Verbundes ist, der noch drei bis vier weitere Gebiete umfasst. Dies sind die Gebiete

Faltblätter zu einigen Gebieten gibt es bei der Stadt Hildesheim. In eigener Sache möchte ich zum Schluss alle Besucher bitten, die Regeln des NSG zu beachten. Insbesondere möchte ich alle Hundefreunde bitten, ihre treuen Vierbeiner hier an der Leine zu führen. Bereits mehrfach ist es z.B. am allseits beliebten Osterberg zu Angriffen auf die hier weidenden Schafe gekommen. In den letzten Jahren sind mehrere Schafe getötet und Lämmer in der Panik von den eigenen Artgenossen zu Tode getreten worden. Vorerst sind nur wenige Freilaufflächen für Hunde ausgewiesen, die man sich hier ansehen kann, aber es gibt auf jeden Fall bessere Gebiete als diesen einmaligen und schützenswerten Lebensraum, um seinen Vierbeinern den lebensnotwendigen Auslauf zu bieten.

W A N D E R U N G E N
Hildesheim – NSG „Giesener Teiche – Hildesheim 11km

Hiking-Tour durch ein Kultur/Naturparadies der besonderen Art, abwechslungsreich wie kaum ein anderes im weiten Umkreis
   

L I T E R A T U R
  • Horst Kretzschmar – Die Orchideen Deutschlands und angrenzender Länder – ISBN 978-3494014197
  • Haeupler/Mühr – Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands – Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild – ISBN 978-3800149902
  • VHS Hildesheim – Reiseführer Hildesheimer Land – ISBN 978-3806785067
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