Versteckt vor den Toren der Stadt Goslar gelegene Klosterruine aus dem 12. Jahrhundert —

Nähert man sich der Unesco-Welterbestadt Goslar auf der B82 oder der B6, fällt das ehemalige Kloster kaum ins Auge, lediglich ein kleines Waldgebiet lässt sich erkennen und ein Hinweisschild an der B6 weist daraufhin, das sich hier das Gethsemanekloster Riechenberg befindet und die Einfahrt verboten ist. An der B82, kurz vor der Abfahrt nach Astfeld/Langelsheim, befindet sich der versteckte, kleine Parkplatz, von dem aus man offiziell zu einem Besuch der Krypta des Klosters oder einem Spaziergang starten kann.

Kryptabesuch: Mai – Oktober immer Dienstag 14:30 und 15:30 Uhr, nur mit Führung ab Rosenpforte, die vom Parkplatz ausgeschildert ist

Das Kloster Riechenberg wurde im Jahre 1117 als Benediktinerkloster gegründet, bereits 1128 wurde es unter dem wohl bedeutendsten Propst des Klosters, Gerhard, der gleichzeitig auch Propst in Goslar und Heiningen war, in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt. Bis zu seinem Tod 1150 war die heute noch vollständig erhaltene Krypta fertiggestellt, in der er auch seine letzte Ruhe fand. Die Klosterkirche, die heute nur noch als gesicherte und sanierte Ruine existiert, war bis 1173 fertig.

Reste des Querhauses

Reste des Querhauses

Dem folgten wechselvolle Jahrhunderte, die wie so oft von Besitzzuwächsen und Blütezeit genauso geprägt waren wie von Missstand und Niedergang. 1527 gelangte das Kloster im Zusammenhang mit der „Hildesheimer Stiftsfehde“ in braunschweigischen Besitz und 1569 wurde die Reformation eingeführt, die dann bei der Wiederherstellung des Hochstifts Hildesheim im Jahre 1643 wieder rückgängig gemacht wurde.

1762 übernahm Wilhelm de la Tour die Amtsgeschäfte des Klosters und besiegelte damit sein Ende. Der Propst stammte aus einer verarmten, im 30-jährigen Krieg nach Deutschland übersiedelten, französischen Adelsfamilie, die sich das Wohlwollen der Herzöge von Braunschweig zugezogen hatte. Wilhelm, gleichzeitig Propst und Scholaster am Domstift Goslar, verfügte über ein reichliches Einkommen, das er aber nach Herzenslust verschleuderte und damit das Kloster ruinierte.

1774 entzog er sich durch Flucht nach Hamburg der Verhaftung durch den Fürstbischof, das zahlungsunfähige Kloster erholte sich nie und wurde schließlich 1794 aufgelöst. 1803 gelangte das Kloster im Rahmen der Säkularisation in preußischen, 1815 nach dem Wiener Kongress schließlich in hannoverschen Besitz. Die Ausstattung wurde der Jacobikirche Goslar übergeben, ab 1818 wurde die Klosterkirche als „Steinbruch“ für Baumaterial freigegeben, das Klostergut weiterhin für landwirtschaftliche Zwecke genutzt.

Nach aufwändigen Sanierungsmaßnahmen von 1988-1992 wurde das Gelände zweigeteilt, das Gut wird seitdem weiterhin bewirtschaftet, die ehemaligen Klostergebäude werden von der Gethsemane-Bruderschaft als Klausur und Einkehrbereich für Gäste genutzt. Verschiedene Unterkunftsangebote für kurze oder längere Gastaufenthalte im Kloster richten sich an Menschen beiden Geschlechts und aller Altersstufen. Weitere Informationen unter „Gethsemanekloster.de“.

Im Rahmen des Kryptabesuchs hat man auch Gelegenheit, das Klostergelände mit den Gebäuden, Gebäuderesten und dem kleinen Klosterpark, der einige schöne, alte Solitärbäume besitzt, zu besichtigen. Weiterhin bietet sich ein Spaziergang, oder was die wenigsten vermuten würden, auch eine Wanderung in der Umgebung Riechenbergs an. Über den Wartberg, den Kanstein und das Waldgebiet des Seetz gelangt man auf teils sehr schönen und stillen Wegen in eine erstaunlich sehenswerte Landschaft.

W A N D E R U N G E N
Kloster Riechenberg – Kanstein – Kloster Riechenberg 12km

Erlebnisreiche Feld- und Wiesenwanderung durch die Nordharzer Kulturlandschaft mit Besuch der Riechenberger Krypta

F O T O G A L E R I E
G O O G L E M A P S


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