Vom wunderschönen Ilsenburg, durch das Eckertal und über den Butterberg, in die Kurstadt Bad Harzburg —

Ilsenburg (Bhf.) – Factorei – Forellenteich – Kastanienallee – Besenbinderstieg – Kienbergsbach – Eckertal – Papierfabrik – Eckerhangweg – Rabenklippe – Firstweg – Ilsenburger Stieg – Butterberg – Butterberg-Kammweg – NSG „Butterberggelände“ – Geißmarstraße – Bad Harzburg (Bhf.)
Mitte Oktober 2016
Für Nutzer des ÖPNV, ab Bahnhof Ilsenburg oder Bad Harzburg. Autofahrer können in Bad Harzburg, eine Parkmöglichkeit am Ende des Butterberges, auf der anderen Seite der K42 nutzen oder in Ilsenburg, am Ende der Kastanienallee parken
Knapp über 400 Höhenmeter Steigungen. Spürbarer Aufstieg vom Eckertal zur Rabenklippe. Etwas kniffliger Abstieg zum Butterberg in Bad Harzburg, der aber durch einen Umweg vermieden werden kann
Historische Altstadt Ilsenburg, Besenbinderstieg, Rabenklippe, NSG „Butterberg“
(Hoffentlich) Problemlose An/Abreise per Bahn, nach Ilsenburg oder Bad Harzburg
Frühstückspause am ruhigen Kitzsteinteich

Frühstückspause am ruhigen Kitzsteinteich

Lange hat es gedauert, bis ich mich endlich aufgerafft habe, auch noch einige der Wanderungen des letzten Jahres einzustellen. Aber Ilsenburg ist Heilige Pflicht! Dieses wunderbare, kleine Harzrandstädtchen, mit seiner wanderbaren Umgebung, haben wir als einen der ersten Orte im östlichen Teil des Harzes besucht. Damals war hier noch so gut wie nüscht los, viele Häuser waren unsaniert, viele Straßen nahezu unbefahrbar. Ein Ort im Umbruch, im Aufbruch, den wir, wenn wir ihn 10 Jahre nicht gesehen hätten, nicht wiedererkennen würden. Schön, das Ilsenburg heute die verdiente Beachtung erfährt, aber ein wenig Wehmut schwingt da auch immer mit. Denn der aufgeblühte Ort, wird immer mehr touristisch erschlossen und erleidet dabei hoffentlich nicht das Schicksal anderer ehemals kleiner Harzorte, denen droht, das ihnen ihre Identität flöten geht. Aber das ist wie immer auch Ansichtssache. Heutzutage ist Ilsenburg eigentlich, längst kein wirklicher Geheimtipp mehr, denn die Stadt ist in ihrem Kern aufs wunderbarste erhalten und durch das Ilsetal führt nicht nur der schönste Weg auf den Gevatter Brocken.

Die von uns im Oktober letzten Jahres gegangenen Wege, kannten wir zwar schon weitestgehend von verschiedenen Touren der letzten 15 Jahre, aber in dieser Konstellation waren wir sie noch nie gegangen. Die Tour ist sehr gut für die Nutzung des ÖPNV geeignet, denn der Weg in Ilsenburg, vom Bahnhof zum Wald, ist sehr schön, der vom Butterberg zum Bahnhof in Bad Harzburg, recht kurz und nicht allzu schlimm. Dazwischen sind die meisten Wege schön, einige … großes Ehrenwort … zumindest nach unseren Maßstäben, mehr als das. Für uns bisher die schönste Variante einer Wanderung von Ilsenburg nach Bad Harzburg. Besonders die Integration des Butterberges, war ein tolles, abschließendes Highlight. Hier hatten wir bisher, aufgrund der räumlichen Isolation des wanderbaren „Höhenzuges“, leider immer nur einen Spaziergang gemacht. Der Beitrag wird vielleicht etwas kürzer und ungenauer ausfallen, weil die Tour jetzt schon vier Monate und zehn Wanderungen zurückliegt, aber im Endeffekt ist es ja eh meistens am schönsten, je weniger man vor man einer Wanderung weiß oder kennt…

Ageht es vom Bahnhof Ilsenburg, der zu den wenigen gehört, von denen aus es eine Freude ist, wandern zu gehen. Geht man nämlich in Richtung Harz, fehlt das typische „Bahnhofsflair“ hier gänzlich. Nach wenigen Metern gelangen wir in den Tannengang, der uns am Suenbach, zum idyllisch gelegenen Kitzsteinteich führt. Für uns ist hier meistens schon die günstigste Gelegenheit gegeben, uns von der „anstrengenden“ Anreise zu erholen. Weiter durch den Tannengang, erreichen wir das Gelände der ehemaligen Factorei Ilsenburg, die 1840 erbaut wurde und als Sitz der oberen Verwaltung der Hüttenbetriebe des Ortes diente. Tiefgehendere Informationen zum Ort Ilsenburg unterlasse ich an dieser Stelle, da das wieder einmal die Möglichkeiten eines Wanderbeitrages sprengen würde. Ilsenburg ist auf jeden Fall auf derselben Perlenschnur aufgezogen, wie die bekannteren Orte Goslar, Wernigerode oder Quedlinburg und immer einen ausgedehnten Besuch wert.

Am Forellenteich

Am Forellenteich

Hinter der Factorei geht es weiter in die Kroatenstraße, in der wir den hier entlangfließenden Suenbach überqueren und die uns sehenswert zum Forellenteich führt. Hier ist quasi das Zentrum Ilsenburgs und es ist immer wieder verlockend, hier nach links abzubiegen. Durch das historische Ilsenburg hinaus ins für deutsche Verhältnisse wild-romantische Ilsetal, und dann hinauf zum ((nord)deutschen) Berg aller Berge. Aber heute geht es nach rechts und das macht nicht minder viel Spaß. Am Forellenteich und dem kleinen Forellenpark entlang, erreichen wir die Kastanienallee, die uns langsam, aber sicher, immer schöner werdend, aus Ilsenburg hinaus führt. Eine Bank und eine Infotafel erwarten uns am Waldrand, der gleichzeitig die Grenze des Nationalparks markiert. Hier geht es hinaus auf den Besenbinderstieg, der uns durch die Wiesen/Weiden zwischen den Waldgebieten führt. Jetzt sind wir „richtig“ im Harzwald angekommen und werden selbigen auch erst in Bad Harzburg verlassen.

Unser heutiger Weg führt uns durch die Naturdynamikzone des Nationalparks, die sich in den letzten 10 Jahren von 40% auf 60% der Fläche des Nationalparks vergrößert hat. Hier bei Ilsenburg, ist der Wald auch schon seit einigen Jahren aus der Nutzung, und größtenteils auch aus der „Beeinflussung durch den Menschen“ genommen worden. Das macht den ohnehin schon wanderbaren Pfad noch um einiges attraktiver. Es soll ja immer noch Leute geben, denen der „unaufgeräumte“ Wald ein Dorn im Auge ist, aber manchmal ist es ganz gut, das die Zeiten und Menschen sich ändern. Auf schmalem Weg und Pfad, geht es also vielerorts schon durch gemischten Buchenwald. Hinter einem Kolonnenweg, der an die Zeit erinnert, als Brüder und Schwestern unfreiwillig getrennt waren, führt uns eine Brücke über den Kienbergsbach. Dann geht es wanderbar weiter, lediglich das letzte Stück ins Eckertal, ist (noch) mehr durch die Fichte geprägt. Das erinnert aber auch immer wieder daran, wie es früher vielerorts, zumindest im Westharz, ausgesehen hat … und immer noch aussieht.

Wir erreichen die Ecker, die im Brockenfeld entspringt und auf ihrem gesamten Lauf im Harz ein Grenzfluss war. Ein spannendes Gewässer, das wir mittlerweile fast auf ganzer Länge erkundet haben, erst 2015 von der Quelle bis hinter den Eckerstausee. Hier ist der Weg etwas breiter, aber immer noch sehr freundlich. Der aufs herrlichste gemischte Wald und die ständig im Hintergrund murmelnde, plätschernde und manchmal auch rauschende Ecker, bieten ausreichend Abwechslung für Auge und Ohr. Ein paar Meter nach unserem Einstieg öffnet sich rechterhand der Wald zu einer schottrigen Freifläche im Wald. Hierbei handelt es sich um die „Schlackenhalde“ eines wohl einst hier ansässigen Hüttenbetriebes. Kurz darauf erreichen wir die (leider) immer noch hier ansässige Papierfabrik Obenauf, die hier seit fast 100 Jahren produziert. Vorher war hier eine Schleifmühle ansässig, während des Zweiten Weltkrieges, wurden die Gebäude als Textillager genutzt.

Die muntere Ecker

Die muntere Ecker

An der Papierfabrik bekommen wir endlich mal die Ecker zu Gesicht, die sich als typisch schönes Harzflüsschen präsentiert. Das ist nicht abwertend gemeint, denn mittlerweile mussten wir feststellen, das die Harzer Bäche/Flüsse, wie Innerste, Oker, Ecker, Bode, Oder, Radau, Helme, Ilse, Wipper u.v.m., alle ihren eigenen Charme, und oft genug, auch sehr wunderbare und wanderbare Abschnitte haben. Dazu zählt auch dieser Teil des Eckertals, wenngleich wir nur kurz hier wandern. Denn bereits nach knapp zwei Kilometern verlassen wir das Tal, um die Rabenklippe zu „erklimmen“. Wenn man hier weiterläuft, muss man es bis zum Molkenhaus tun, auch das wäre eine durchaus erlebenswerte Alternative. Wir gehen heute hier rechts hinauf, anfangs noch etwas durchwachsen, nach der Überquerung des 1. Eckerhangweges, auf einem hervorragenden Pfad zur Rabenklippe mit seiner Waldgaststätte.

Jetzt müsste ich ja vor Scham im Boden versinken, denn hier waren meine Vorab-Recherchen derart miserabel, das wir an diesem Tag weder die Rabenklippe besichtigten, noch das Luchsgehege und auch nicht die Waldgaststätte. Aber für uns muss es nicht immer alles sein und eingesperrte Tiere, so faszinierend sie auch sein mögen, sind nicht so unser Ding. Eine Aussicht von der Rabenklippe und eine Einkehr in der Waldgaststätte „Rabenklippe“, sind für nächstes Mal auf jeden Fall eingeplant. An diesem Tag, ließen wir es uns aber auf netten Bänken am nicht so netten Firstweg gut gehen. Die Auswahl ist an dieser Stelle mager … drei breite Trassen kreuzen sich … und eine davon müssen wir nehmen. Der Firstweg bessert sich in seinem Verlauf etwas und erlaubt (noch) weite Ausblicke ins Harzvorland. Bis zum Großen/Kleinen Fallstein reicht der Blick, mit ein bisschen Wehmut dachten wir an die Wanderung dort vor einigen Jahren.

Vom Firstweg geht es kurz auf die Wartenbergstraße, die aber glücklicherweise keine öffentliche ist, dann ab nach links, und nach wenigen Metern, auf einen wieder allerherrlichsten, schmalen Pfad. Dieser führt uns mit Durchblicken und felsiger Seite, hinab zum Steinbruchweg, an dem eine Bank auf uns wartet. Hier geht es nach rechts, auf den nicht leicht zu findenden, nicht leicht im Gelände auszumachenden Pfad, den ich mal als „Wildererpfad“ bezeichne. Das sind, solange wir so etwas noch bewältigen können, die Wege, nach denen wir suchen. Wege, die nur Einheimische kennen und nach denen man suchen muss. Wunderbar, das es heute per WWW-Recherche relativ einfach ist und Karten wie die Open Street Map und deren Ableger, regen Zuspruch finden. Früher konnte man solche Wege nur ausprobieren, musste aber damit rechnen, das sie einen letztendlich in die völlig falsche Richtung führen. Dieser bringt uns um den Berg herum und dann direkt hinunter nach Bad Harzburg. In den krautreichen Monaten ist das wahrscheinlich ein rechtes Abenteuer, das aber auch seinen Erlebniswert hat. Wir sind mitten drin in der Natur und es gibt einige Ausblicke in die umliegende Berglandschaft.

Im NSG "Butterberg"

Im NSG „Butterberg“

Heraus kommen wir am Ilsenburger Stieg, in den Vororten Harzburgs und sind nach kurzem Abstieg, bereits am Einstieg zum Butterberg. Viele Jahre haben wir schon hin und her überlegt, wie wir diesen wandervollen kleinen Höhenzug, in eine richtige Wanderung integrieren können. Da wir als Autofahrer aber immer dazu neigten, in Rundwegen zu denken, brauchte es bis jetzt, bis die glasklare Lösung zu Tage trat. Das ist ein herrlicher Abschluss für eine Tour, denn etwas wie den Butterberg, teils als Landschaftsschutzgebiet, teils als Naturschutzgebiet ausgewiesen, würde man hier nicht vermuten. Eigentlich ist das nur ein handtuchschmaler Bergrücken, mit eigentlich auch nur einem einzigen Weg, der rechts und links einige Meter Bewaldung aufweist. Eine Art Teufelsmauer im Kleinformat, nahezu ohne markante Felsformationen. Trotzdem ein Erlebnis, das man sich bei einem Besuch Harzburgs, vielleicht auch nur als kleine Runde (siehe letztes Foto), durchaus genehmigen sollte.

Der Butterberg beherbergt aufgrund der geologischen Verhältnisse, einen für die Gegend eher seltenen Kalkbuchenwald und die dazugehörige Flora, was auch zur Ausweisung als Naturschutzgebiet geführt hat. Im Frühjahr kann man hier also das ganze Potpourri der Jahreszeit erleben, mit Buschwindröschen, Lerchensporn, Leberblümchen, Bärlauch und vielen anderen Pflanzen. Der Wald selbst ist gut gemischt, auch weil die dominierende Buche, mittlerweile wohl auf dem Rückzug ist. Auch durch den Abbau von Steinmaterial in früheren Zeiten, ist das Gelände reich strukturiert und bietet dem Auge des Betrachters, wechselnde Reize. Einige Bänke laden zum Verweilen ein, einige Schautafeln informieren über verschiedene Aspekte des begrenzten Gebiets. Auf jeden Fall ein sehr kurzweiliger Weg, der leider an der Geismarstraße endet. Von hier aus geht es nur noch, ohne großen Erlebniswert, am Friedhof vorbei, zum Bahnhof Bad Harzburg, unserem Ausgangspunkt.

Wieder mal ein höchst empfehlenswerter Weg, der selbst auf wenigen breiten Wegen ausreichend wanderbar ist. Der Besenbinderstieg, der Abstieg nach Harzburg und der Kammweg des Butterberges, das sind schon wirklich tolle Wege, von denen es gar nicht genug geben kann. Hier kann man den Nationalpark Harz, in dem man halt vernünftigerweise nicht überall rumlatschen kann und sollte, und den hoffentlich weitergehenden Wandel der Wälder, noch recht nah erleben. Hier gibt es für Ruhebedürftige, Naturfreunde, Sportwanderer, geologisch, botanisch oder kulturhistorisch Interessierte, genug zu erfahren und zu erleben. Wir können gar nicht genug betonen, das es für uns keine Abstriche des Gefühls der Freude gibt, das wir empfinden, wenn wir an das Ende der unsäglichen Teilung unseres Landes denken. Wanderer aller Länder, vereinigt euch…

L I T E R A T U R
  • Haeupler/Mühr – Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands – Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild – ISBN 978-3800149902
    • Andreas Kieling – Ein deutscher Wandersommer (1400 Kilometer durch unsere wilde Heimat) – ISBN 978-3890293936
      • Reiner Cornelius – Vom Todesstreifen zur Lebenslinie – Band 3: Der Harz – ISBN 978-3981298123
      F O T O G A L E R I E

      W A N D E R K A R T E / D O W N L O A D GPX

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      Ilsenburg - Eckertal - Bad Harzburg

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      Start / Ziel: 51.869175, 10.682981
      Der Kitzsteinteich: 51.867555, 10.681522
      Der Forellenteich: 51.864891, 10.675814
      Die Factorei: 51.866071, 10.680031
      Der Forellenpark: 51.866163, 10.675857
      Die Kastanienallee: 51.868621, 10.668025
      Bank: 51.870334, 10.666212
      Der Besenbinderstieg: 51.874894, 10.659710
      Der Kienbergsbach: 51.875695, 10.656567
      Der Besenbinderstieg: 51.877722, 10.647168
      Papierfabrik Obenauf: 51.874516, 10.633070
      Das Eckertal: 51.871191, 10.626504
      Die Hausmannsklippe: 51.868250, 10.611355
      Die Rabenklippen: 51.864269, 10.604714
      Waldgaststätte \'Rabenklippe(n)\': 51.864756, 10.605213
      Das Luchsgehege: 51.865640, 10.604634
      Bank: 51.866336, 10.604355
      Der \'Wildererpfad\': 51.880385, 10.589544
      Der Butterberg-Kammweg: 51.884687, 10.586738
      Bank: 51.869900, 10.602354
      Bank: 51.879782, 10.594726
      NSG \'Butterberggelände\': 51.888762, 10.568730
      Bahnhof Bad Harzburg: 51.888491, 10.554020
      Friedhof Bad Harzburg: 51.888855, 10.560640
      Mehrere Bänke: 51.865017, 10.676490
      Mehrere Bänke: 51.865255, 10.674441
      V E R W A N D T E
      B E I T R Ä G E
      P D F / E – M A I L / D R U C K