Bischofsstadt, Domstadt, Rosenstadt, Welterbestadt – Hildesheim ist Niedersachsens schönste, jüngste und kleinste Großstadt mit 1200-jähriger Geschichte —

Jetzt ist es endlich soweit, nach unzähligen (naja) Beiträgen über alle möglichen Städte und Dörfer endlich einer über unser Basecamp, die altehrwürdige Stadt Hildesheim. Aber etwas fundiertes über Hildesheim zu schreiben, macht für mich keinen Sinn. Es gibt für eine Stadt dieser Größe unzählige Publikationen, etliche davon besaß ich bis vor kurzem selbst. Da wir uns jetzt aber mit allen Fasern unseres Seins dem Wandern verschrieben haben, habe ich meine Büchersammlung über die e-Bucht an Menschen abgegeben, bei denen diese hoffentlich nicht im Schrank verstauben.

Das ehemalige Nürnberg des Nordens, eine von drei niedersächsischen Welterbestätten in der Stadt, zwei im Landkreis, älteste Tageszeitung Deutschlands, älteste erhaltene „Befestigungsmauer“ nördlich der Alpen, zweitälteste Apotheke Deutschlands, älteste Weinstube Niedersachsens, höchster Kirchturm Niedersachsens, schönstes Fachwerkhaus der Welt, schönster Marktplatz Deutschlands, vielleicht die einzige deutsche Stadt mit drei Burgen, der Hildesheimer Didrik Pining war vor Kolumbus in Amerika ……… ach, stundenlang könnte es so weiter gehen mit der Prahlerei Schwelgerei.

Magdalenengarten und St. Michael / St. Andreas

Magdalenengarten und St. Michael / St. Andreas

Nein, mal im Ernst. Ein Beitrag über die Stadt würde den Rahmen meiner Beiträge momentan absolut sprengen und die Tourismuszentrale der Stadt Hildesheim hat mittlerweile endlich ein gutes und modernes Angebot auf die Beine gestellt. Unbestritten war Hildesheim eine der schönsten Städte Deutschlands und diese Schönheit kann man heute noch an einigen Stellen erahnen, aber auch erleben. Einige persönliche Tipps zu „Sehenswürdigkeiten“, die ungerechtfertigt touristisch immer etwas stiefmütterlich behandelt werden, möchte ich deshalb hier noch geben:

Die Wallanlagen: Die ehemaligen Befestigungsanlagen der Stadt sind auf ca. 2,5km Länge zu etwa 50-60% erhalten und gehören zu den gewaltigsten und gleichermaßen schönsten ihrer Art in Deutschland. Auch andere Städte, hervorheben möchte ich Mühlhausen/Thüringen und Duderstadt, besitzen nahezu geschlossene und wunderschöne Anlagen, die Hildesheimer Wälle gehören auf jeden Fall zu den sehenswertesten. Sie sind nahezu durchgehend begehbar, teilweise auf mehreren Wegen und bieten, teils als LSG „Wallanlagen“ ausgewiesen, einen hohen Erholungswert für Bewohner und einen ebenso hohen Erlebniswert für Besucher. Viele touristische Ziele liegen an den Wällen oder in ihrer Nähe, wie. z.B. der Dom, St. Michael, St. Godehard, der Magdalenengarten, das Roemer-Pelizaeus-Museum, der Ernst-Ehrlicher-Park oder die Fachwerk-Straßenzüge der Altstadt/Neustadt. Einen Vorschlag für einen etwas alternativen Spaziergang abseits der „Großstadthektik“ auf dem „Grünen Band Hildesheim“ findet ihr unten als „Google Map“ und als Download.

Der Stadtteil Moritzberg: Ehemals freies Berg- und Stiftsdorf Moritzberg. Das sehenswerte Bergdorf präsentiert sich heute noch in Teilen in historischem Gewand und einige Moritzberger fühlen sich wohl (glücklicherweise) immer noch nicht so recht als „Hilleshaamer“. Eine interessante Site bietet der Verein „Kultur und Geschichte vom Berge“ Die Straßenzüge Dingworthstraße, Bergstraße, Große und Kleine Steuer sind z.B. noch sehr gut erhalten. Das Flair dieses Stadtteils erlebt man am besten, wenn man die Bergstraße hinauf, zwischen der „Gelben Schule“ und der „Villa Windhorst“ hindurch zur Kirche St. Mauritius und zur Gaststätte Berghölzchen geht. Von hier hat man einen der herrlichsten Ausblicke in die Stadt Hildesheim. Einen Vorschlag für einen Spaziergang auf den Moritzberg findet ihr unten als „Google Map“ und als Download. Eine erstaunlich idyllische Stadtwanderung und eine im sagenhaften „Kleeblatt“ vierer Naturschutzgebiete findet ihr unter „Wanderungen“.

Kreuzkirche und Choralei

Kreuzkirche und Choralei

So, jetzt reichts aber, denn eigentlich wollte ich hier näher auf die für Besucher wahrscheinlich eher unbekannten, wirklich sehr schönen Naturschätze direkt vor den Toren der Stadt hinweisen. 25 Schutzgebiete (LSG, NSG, Natura 2000, EU-Vogelschutz), die teilweise mehrfach ausgewiesen sind und sich überlappen, gibt es alleine auf dem Stadtgebiet Hildesheims. Darunter sind 7 Naturschutzgebiete, einige von ihnen gehören zu den interessantesten Schutzgebieten, die wir bis jetzt kennengelernt haben. Da ich zu diesen Gebieten noch eigene Beiträge erstellen möchte, reiße ich sie hier nur kurz an. Empfehlenswert für die vier als „Kleeblatt“ bezeichneten Naturschutzgebiete nördlich der Stadt ist dieses umfangreiche PDF-Dokument der Stadt: Naturerlebnisgebiet „Kleeblatt“ – Vier Naturschutzgebiete zwischen dem Osterberg und der Innerste

  • NSG „Am Roten Steine“: Es handelt sich um einen langgezogenen Steilhang mit Trockenrasenflächen und vielfältigem Strauch- und Baumbewuchs. Es gibt quellfeuchte Bereiche, einen Altarm der Innerste mit Auenwaldresten und Grünland/Ackerflächen. Als freundliche Bewohner kann man die freilaufenden Pferde bestaunen, wenn man dieses zwar kleine, aber feine Gebiet besucht. Meine unten verlinkte Wanderung „Hi – Barienrode – Marienburg – Hi“ führt durch das NSG inklusive des „Zwergentunnels“ und ebenfalls durch das knapp außerhalb der Stadtgrenzen gelegene NSG „Schwarze Heide“. Für einen kürzeren Weg hier das entsprechende PDF der Stadt Hildesheim: Naturerlebnisweg „Alles im Fluß“
  • NSG „Finkenberg / Lerchenberg“ und „Gallberg“: Zwei angrenzende Naturschutzgebiete mit sehr unterschiedlichem Charakter. Der Finkenberg/Lerchenberg ist einer der nördlichsten Kalkbuchenwälder Deutschlands mit hohem Artenreichtum. Gleichermaßen findet man hier seltene Eichen-Hainbuchen-Mischwälder und seltene Baumarten, wie z.B. Elsbeeren, Feldahorn und Sommerlinden. Der Gallberg  ist ein Muschelkalk-Höhenzug und der letzte offene Weideberg der Stadt. Hier gibt es orchideenreiche Kalkhalbtrockenrasen, extensiv genutztes Grünland und Hangwälder mit Eichen und Hainbuchen. In beiden Gebieten gibt es selbstverständlich eine hohe Anzahl seltener Tier- und Pflanzenarten zu bewundern, wie z.B. Mittelspecht, Schwalbenschwanz, Acker-Rittersporn, Enziane, Orchideen oder der Blaurote Steinsame. Für einen sehr schönen kleinen Gang am Gallberg empfiehlt sich das entsprechende PDF der Stadt Hildesheim: Naturerlebnisweg „Gallberg“
  • Naturerlebnisgebiet Kleeblatt – Vier Naturschutzgebiete zwischen dem Osterberg und der Innerste

  • NSG „Lange Dreisch und Osterberg“ und „Giesener Teiche“: Zwei zusammenhängende, fast unglaublich vielfältig strukturierte Gebiete mit unterschiedlichsten Lebensräumen. Es gibt orchideenreiche Kalktrockenrasen, Hang- und Schluchtwälder, Eschen- und Schwarzerlen-Auen, Magerwiesen, Niedermoor, Kalkquellbereiche, Eichen-Hainbuchen-Wald und vieles mehr. Eine erstaunlich große Vielfalt an teils seltenen Tierarten komplettiert die hohe Schutzwürdigkeit dieses Gebietes, das ich selbst als Kind, als es in weiten Teilen noch Truppenübungsplatz war, schon „erkundet“, aber erst in den letzten Jahren kennenlernen durfte. Für uns, zusammen mit den beiden folgenden Arealen, sind die Naturschutzgebiete „Lange Dreisch und Osterberg“ und die „Giesener Teiche“ eines der schönsten Schutzgebiete Deutschlands!
  • NSG „Mastberg mit Innersteaue“: Kleines Naturschutzgebiet, das aber drei verschiedene Waldformen aufweist. Am westlichen Ufer der Innerste handelt es sich um einen Auenwald, der komplett gesperrt ist, selbst für Fußgänger. Am östlichen Ufer befindet sich einerseits ein Eichen-Hainbuchenwald, der auch nur von wenigen Pfaden durchzogen wird und am Waldrand ein wunderschöner alter Hainbuchen-Schneitelwald.
  • NSG „Haseder Busch“: Das NSG „Haseder Busch“ ist ein wohl über die Grenzen der Stadt bekannter Hartholz-Auenwald mit einer überwältigenden Frühblüherblüte. Gelbe Windröschen und Buschwindröschen, Scharbockskraut, Schlüsselblumen und Lerchensporn bilden im Frühjahr einen teils flächendeckenden Teppich in diesem wunderschön naturnahen Wald mit seinen Innerste-Altarmen.

Das ist nur ein kurzer Überblick über die erstaunliche Natur in nächster Nähe der Stadt Hildesheim. Einen Wanderweg, der alle vier Blätter des Kleeblatts teilweise erschließt, habe ich unten verlinkt. Als Infomaterial ist das bereits weiter oben verlinkte PDF „Naturerlebnis Kleeblatt“ sehr gut zu gebrauchen. Abseits dieser herausragenden Areale hat Hildesheim aber auch noch andere, sehr schöne Natur- und Kulturlandschaften zu bieten. Einige weitere Vorschläge für Exkursionen und Spaziergänge:

  • LSG Innersteaue Nord: Zwischen der Dreibogenbrücke an der B1 und der ehemaligen Wasserburg Steuerwald befindet sich eine schöne Flußwiesenaue mit vielen alten Bäumen, einer reich strukturierten Landschaft und vielen tierischen Bewohnern. Zwischen dem Bach Kupferstrang und der Innerste bekommt man an schönen Tagen oft keinen Sitzplatz mehr, und viele Radfahrer nutzen den hier verlaufenden Innerste-Radweg, der sich vom NSG „Mastberg“ bis zur ehemaligen Wasserburg Marienburg als wunderschön erweist.
  • LSG Rottsberghang: Der Rottsberghang zwischen dem Lerchenberg und der Stadt erweist sich ebenfalls als reich strukturierte Landschaft mit Wiesen, Weiden, Äckern, Mischwald und Obstplantagen. Herrlich eingebettet liegt hier auch die Jugendherberge Hildesheim, von der man einen schönen Ausblick auf die Stadt genießen kann. Oberhalb des Nonnenkamps befindet sich der sogenannte „Panoramaweg“, von dem aus man einen fast schon spektakulären Ausblick auf die Stadt genießt.
  • Klosterlandschaft Marienrode: Rund um das Kloster Marienrode mit seinen Teichen, den Mühlen, der Klostermauer hat sich ebenfalls eine für solche Anlagen typische Landschaft erhalten, die viele Menschen immer wieder zu einem beschaulichen Spaziergang einlädt.
  • LSG Steinberg: Der kleine „Höhenzug“ des Steinbergs wurde in früheren Zeiten intensiv genutzt und das kann man heute noch erkennen, wenn man ihn auf den zahlreichen Wanderpfaden erkundet. Die mittelalterliche Weidewirtschaft ist nicht mehr zu erkennen, die spätere Nutzung als Steinbruch und Tongrube dagegen schon. Auf dem Steinberg befindet sich ebenfalls ein ansehnliches Wildgatter, ein schulbiologisches Zentrum und mehrere beliebte Ausflugsgaststätten.
  • Galgenberg, Spitzhut, Knebelberg: Teilweise als LSG „Vorholzer Bergland“ ausgewiesen. Ein überwiegend mit Laubwald bewachsener Höhenzug, der ebenfalls von zahlreichen Wegen, einschließlich eines beliebten Kammweges, erschlossen wird. Von der Jahnswiese, auf der wohl jeder Hildesheimer schon mal eine irgendwie geartete Party gefeiert hat, hat man einen weiten Ausblick in die norddeutsche Tiefebene. Mehrere alteingesessene Gaststätten befinden sich auf dem Galgenberg, vom Bismarckturm hat man einen guten, allerdings mittlerweile eingeschränkten Blick auf die Stadt. Vom „Gelben Turm“ der auch eine Sternwarte (betreut durch die Hildesheimer Gesellschaft für Astronomie) besitzt, kann man ebenfalls die Aussicht auf die Umgebung oder die Sterne genießen. Unterhalb des Galgenbergs befindet sich das sehenswerte Areal einer alten Ziegelei mit Tongrube, die wohl schon Scharen von Studenten als „Badewanne“ gedient hat.

Hildesheim ist also leider keine uneingeschränkte Schönheit mehr, bietet aber immer noch sehr viel Erlebenswertes in Sachen Natur und Kultur. Wenn ich früher mit dem Zug fuhr, hörte ich häufig, vornehmlich junge Leute sagen, das Hildesheim „sooooo öde und langweilig“ ist. Ging mir auch mal so, ich habe mich aber selbst eines Besseren belehrt. Langweilig mag es hier für Menschen sein, die sich gerne von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit führen lassen, nicht für den Neugierigen und Erlebnishungrigen.

W A N D E R U N G E N
Hildesheim – NSG „Giesener Teiche“ – Hildesheim 11km

Hiking-Tour durch ein Kultur/Naturparadies der besonderen Art, abwechslungsreich wie kaum ein anderes im weiten Umkreis

Hildesheim – Barienrode – Marienburg – Hildesheim 18km

Der Sachse allein in der ostfälischen Wildnis! Als ich los ging, um nach Panama auszuwandern, war mir selbst nicht klar, wie schön Hildesheim ist

L I T E R A T U R
  • VHS Hildesheim – Reiseführer Hildesheimer Land – ISBN 978-3806785067
  • Paul-Feindt-Stiftung – Natrurraum Innerstetal (Natur und Landschaft im Landkreis Hildesheim) – ISBN 978-3806785852
F O T O G A L E R I E
G O O G L E M A P S

Grünes Band Hildesheim


Moritzberg-Runde


PDF / E-Mail / Druck