Wanderbares Erlebnis und für viele unerwartete Schönheit, auf einem der Hausberge der Hildesheimer —

Hi-Ostbahnhof – Fachhochschule – Feldstraße – Kriegerdenkmal – Bismarckturm – Galgenberg – Gelber Turm – Spitzhut – Brockenblick – Hildesheimer Landwehr – Knebelberg – Querburg – Fischteich Querburg – Waldrandweg – Tonkuhle – Silberfund – Kriegerdenkmal – Hi-Ostbahnhof
Mitte September 2016
Start und Ziel am Ostbahnhof in Hildesheim. Alternativ für Automobilisten Parkplatz am Ostbahnhof (kostenlos!), Parkplätze am Mönkemöllerweg unterhalb des Galgenberges oder Parkplatz unterhalb der Waldgaststätte „Brockenblick“
Knapp 300 Höhenmeter Steigungen. Ein munteres Auf und Ab ohne echte Lungenprüfer
Kriegerdenkmal am Galgenberg, Bismarckturm, Gelber Turm mit Sternwarte, Fischteiche an der Querburg, Tonkuhle an der Uni, Silberfund, Feldstraße mit „Sieben-Brüder-Häusern“ und der ehemaligen Malzfabrik
Start und Ziel ist der Hildesheimer Ostbahnhof, der sich ziemlich gut, z.B. mit den freundlichen Zügen der NWB, aus Richtung Harz und Hannover erreichen lässt. Alternativ kann man vom Hildesheimer Hauptbahnhof aus, auch mit der Linie 3 (werktags!) zur Haltestelle Ostbahnhof fahren.

Betrachtet man die Ansicht von Hildesheim, auf dem wohl im 17. Jahrhundert entstandenen Kupferstich von Mätthäus Merian, ist es nahezu unvorstellbar, wie eine Stadt wie Hildesheim, ebenso wie alle anderen Städte unserer Heimat, im Laufe der Jahrhunderte, ihr Gesicht gewandelt hat. Deutlich erkennbar, sind nicht nur die gewaltigen Verteidigungsanlagen der Bischofsstadt, sondern auch das der von uns zu begehende Galgenberg, der zu jener Zeit, aus verteidigungsstrategischen Gründen, vollkommen unbewaldet war. Ebenso erstaunlich ist es, das ich es erst nach einigen Jahren, und weit über 100 Wanderungen geschafft habe, eine Tour auf einem der Hausberge der Stadt zu veröffentlichen. Meine Freundin lebt seit ihrer Geburt auf der Marienburger Höhe, und seit wir zusammenleben, wohnen wir zusammen im Bereich von Oststadt und „Höhe“. Unzählige Spaziergänge, Exkursionen, Führungen und kleine Wanderungen, haben wir hier im Laufe der letzten 20 Jahre unternommen. Jetzt endlich, nach einer „Intensivbegehung“ einiger noch unbekannter und/oder lange nicht beschrittener Wege, ist es endlich soweit. Herausgekommen ist eine Tour, die Kultur- und Naturliebhabern gleichermaßen Freude bereiten müsste, und die auf weiten Strecken immer wieder Erstaunliches zu bieten hat.

Ehemalige Malzfabrik

Ehemalige Malzfabrik

Galgenberge, Bismarcktürme, Ziegeleien, Landwehren und „Hausberge“, gibt es in Deutschland wie Sand am Meer. Sie alle sind Spuren unserer nicht immer rühmlichen Vergangenheit der letzten 1000 Jahre. Ich werde, dem Umstand einer Wanderbeschreibung geschuldet versuchen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht allzu sehr ins Schwelgen zu geraten. Da wir momentan mit dem ÖPNV unterwegs sind, lege ich die Wanderung vom und zum Ostbahnhof. Wer noch ein Stück mit dem Bus rausfährt oder mit dem PKW anreist, der kann den Teil, der kurz durch die Ränder der Oststadt führt, natürlich weglassen. Aber es sei gesagt, das dieser kurze Weg, bereits einiges an mehr oder weniger „kleinen“ Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, die ich nicht würde verpassen wollen, wenn ich sie nicht jeden Tag direkt vor Augen hätte. Die Beschreibung erfolgt so, wie wir es gewohnt sind, im Uhrzeigersinn. Wer möchte, kann die Tour aber andersherum gehen. So durchquert man dann, erst einmal einen kleinen Teil der Oststadt und schaut später, auf dem Waldrandweg am Höhenzug, nicht die ganze Zeit in Richtung der Außenbezirke der Stadt.

Start ist, wie bereits erwähnt, am Ostbahnhof. Der um 1870 errichtete Bahnhof „am Friesentore“ wäre wohl schon eine Geschichte wert, die wir uns aber sparen. Heute ist er auf jeden Fall ein recht moderner Haltepunkt, mit großzügigem Park&Ride-Parkplatz. Wir verlassen das Bahnhofsgelände, gehen in die Straße „Immengarten“ und folgen dieser, bis zu ihrem Ende zwischen dem Neubau der HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst) und dem alten Friedhof der Godehardi/Lambertigemeinde. Ist man auf der Ecke angekommen, an der sich das moderne „Aushängeschild“ der alten Fachhochschule befindet, erkennt man einen der großen Vorteile dieser Stadt, den die jüngeren von uns meistens (noch) nicht zu schätzen wissen: Gemütlichkeit! Denn hier steht man am Rande eines Gebietes, an dem sich mehrere tausend Studierende tummeln (sollten). Dafür ist es hier wirklich ziemlich gechillt. Zwischen dem HAWK-Neubau und einen Pflegeheim hindurch, erreichen wir das rote Backsteingebäude der alten Malzfabrik. „Malz und Hopfen gibt gute Tropfen“ und „Hopfen und Malz … Gott erhalts“, prangt deutlich sichtbar auf dem schönen Eckgebäude. Die anderen Gebäude der Fabrik standen ungefähr auf dem Gelände des heutigen Cara Seniorenheims.

Hier ist der Wandel der Stadt deutlich erkennbar, denn die Feldstraße wurde im Zuge des Ausbaus der Marienburger Straße geteilt. Nach Überquerung der „Schnecke“, erreichen wir den oberen Teil der Straße und haben den ersten Blick auf den nahen Wald des Galgenberges. Auf der linken Seite fallen zwischen den zumeist „modernen“ Fassaden, sieben kleine Backsteinbauten auf, die sogenannten „Sieben-Brüder-Häuser“. Diese wurden 1880 von Ernestine Nagel-Schmitjahn aus ihrem Vermögen gestiftet, um bedürftigen Hildesheimern eine Unterkunft zu bieten. An jedem der Häuser steht, so wie von ihr gefordert, der Name eines ihrer Brüder. Anfang des neuen Jahrtausends, wurde die Stiftung aufgelöst und die Häuser wurden an Privatpersonen verkauft. An der Kreuzung Brucknerstraße angekommen, öffnet sich die Feldstraße und teilt sich zwischen einem begrünten Streifen. Hier beginnt eigentlich schon das Gebiet des „Steinsoldaten“. Dieser wurde von meiner Freundin immer so genannt und das habe ich der Einfachheit halber übernommen. In Wahrheit handelt es sich hierbei aber um eines der wohl am prächtigsten angelegten Kriegerdenkmale Deutschlands.

Der "Steinsoldat" im goldenen Oktober

Der „Steinsoldat“ im goldenen Oktober

Wir streben auf die „Acht“ zu, die als Grünanlage mit Bänken, hinauf zum Denkmal führt. Bereits am Anfang, erwarten uns die als Naturdenkmal ausgewiesenen, mächtigen sechs Kastanien. Eine Infotafel auf der linken Seite, berichtet von der Entstehung und vom Schicksal des Denkmals im Wandel der Zeiten. Der arme Dolomit-Soldat, der nun wirklich keine Schuld an irgendetwas trägt, wird regelmäßig „gesprayed“ und verschandelt. Ich bin wahrlich kein Freund von Gewalt und Verherrlichung des Krieges, aber dieses, und viele andere Denkmale dieser Art, sind ein Mahnmal für eine Vergangenheit, die wir tunlichst nicht aus dem Gedächtnis streichen sollten. Aber ich kann man mich selbst noch gut daran erinnern, das es ein Vorteil/Nachteil der Jugend ist, die Dinge etwas unkomplizierter und „radikaler“ anzugehen. Witzig in dem Zusammenhang ist auch die Tatsache, das der Bismarckturm solche „Aufmerksamkeit“ nicht bekommt, obwohl der olle Bismarck nun wahrlich auch kein Kind von Traurigkeit war, was das Anzetteln von Kriegen anging.

Vom gewaltigen „Steinsoldaten“ aus, hat man eine schöne, aber eingeschränkte Sicht auf Teile Hildesheims. Hinter dem Denkmal, links von dem kleinen Spielplatz, wenden wir uns ins „Grüne“, das wir dann, nahezu an gleicher Stelle, erst am Ende wieder verlassen werden. An einer hoffentlich noch vorhandenen, schönen Bank, haben wir einen guten Blick auf einige der schönen Häuser der Mozartstraße. Hier befinden wir uns im wahrsten Sinne des Wortes, am oberen Ende des exklusiven „Musikerviertels“. Um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts, wurden hier oben mehrere Straßenzüge ausgebaut, die zu den attraktivsten der Stadt zählten, und immer noch zählen. Hier hat der Galgenberg nicht unabsichtlich einen parkähnlichen Charakter, und dementsprechend sind auch die beiden hier befindlichen Wasserhochbehälter gestaltet worden, die wir als nächstes erreichen. Sie wurden 1894/95 im Stil der Neogotik errichtet, nehmen das Wasser der nahegelegenen Ortsschlumpquelle auf, das wohl noch heute, mit den hauptsächlich aus dem Harz stammenden Wässern, der Trinkwasserversorgung der Stadt dient. Im seit 2009 nicht mehr genutzten, historischen Wasserwerk der Ortsschlumpquelle, befindet sich seit neuestem, mit der „Hildesheimer Braumanufaktur“ (endlich!) wieder eine, wenngleich kleine, aber dafür auch feine Gerstensaftschmiede in der Stadt.

An den schönen Hochbehältern, wenden wir uns nach rechts und erreichen als nächstes, den Aussichtspunkt „Bratpfanne“. Auch von hier aus, hat man meistens, wenn nicht gerade mal wieder entkrautet wurde, einen nur sehr eingeschränkten Blick auf die Umgebung. Weiter hinauf geht es zum Bismarckturm und seiner Wiese. Vom 20m hohen Turm aus, den ich leider schon lange nicht mehr bestiegen habe, hat man wohl noch immer den besten Blick, den man von dieser Seite der Stadt aus haben kann. 1901 entstand die Idee, den ersten deutschen Reichskanzler zu ehren, 1905 waren die Bauarbeiten am Turm und seiner Umgebung abgeschlossen. Hier irgendwo in der Nähe des Turms, hat auch bis 1809 der Galgen gestanden, der dem Berg seinen heutigen Namen gegeben hat. Jetzt verlassen wir, nicht gänzlich unkompliziert, den parkähnlichen Anfang des Berges, und wenden uns dem Wald zu, der in den letzten Jahren wieder seinen schönen Charakter bekommen hat. Ein wenig versteckt am Bismarckturm, findet sich der Roscher-Platz, eine ehemalige Grotte mit Brunnen, von der momentan nur ein gemauerter Halbkreis zeugt. Hinter der Mauer bzw. auf der Mauer, beginnt, anfangs nicht deutlich erkennbar, unser nächster Wegabschnitt.

Aussichtsturm und Sternwarte "Gelber Turm"

Aussichtsturm und Sternwarte „Gelber Turm“

Auf einem wunderbaren Waldpfad, geht es in den höchst freundlichen Mischwald, der einen recht hohen Kiefernbestand aufweist. Aber nicht nur die, werden uns heute immer wieder begegnen. Es gibt ja in diversen Wäldern unserer Heimat, ausgewiesene Eiben-Schutzgebiete und angeblich größte Mengen an Eiben. Hier auf dem „Galgenberg-Höhenzug“, werden uns ebenfalls etliche dieser Bäume begegnen, die wohl schon zur Zeit der Aufforstung gepflanzt wurden. Also hinein in die gute Stube! Auf schmalem Pfad, die meisten Wege heute werden solche sein, geht es in Kammnähe am Hang entlang. Hier kann man überall erkennen, das die Gegend früher zum Abbau diverser Rohstoffe, meistens wohl Steine als Baumaterial genutzt wurde. Heute werden die teils massiven Abtragungen gerne von Bikern genutzt, aber auch für den Wanderer haben sie den positiven Effekt einer reich strukturierten Waldlandschaft. Welchen der beiden Wege man auch wählt, bereuen muss man keinen.

Wir gehen nach ein paar hundert Metern wieder auf den Haupt/Kammweg und erreichen das ehemalige Forsthaus am Galgenberg. Da der Berg bis ins 19. Jahrhundert nahezu vollständig kahl war, wurde für die Aufforstung und teils parkähnliche Gestaltung, eigens ein Revierförster eingestellt. Das alte Forsthaus ist im Gebäudekomplex nur noch bei genauerem Hinsehen auszumachen, denn es gab wohl zahlreiche Anbauten, als das Gebäude später als Ausflugsgaststätte genutzt wurde. Auf jeden Fall ist das ehemalige Galgenberg-Restaurant, das heute unter dem Namen „LewensLust“ weitergeführt wird, ein echter Hingucker. Gerade von dem Weg, auf dem wir uns nähern, denn wir gehen direkt auf den angebauten Saal zu, der aufs Feinste als Aushängeschild dient. Da weht ein Hauch Nostalgie durch den Wald, wenn man diesen wundervollen Fachwerkanbau, mit seinen großen Glasfenstern betrachtet. Hinter dem Restaurant wählen wir wieder den schmalen Weg, der uns parallel zum auch nicht üblen, aber halt breiteren Hauptweg, entlangführt. An der Schutzhütte (mit sehenswerter Eibe!) vorbei, ein abstechender Blick von der Jahnswiese lohnt sich, geht es weiter auf schmalem Pfad. Das ist einfach ein wanderbarer Weg, der uns immer wieder an breiteren vorbeiführt. Gerade auch der „Aufstieg“ zum Gelben Turm, ist ein genialer Abschnitt. Selbst wir als relativ Ortskundige, mussten bei der letzten Tour feststellen, das es hier immer noch einige Wege gibt, die wir nicht kennen und die auch auf keiner Karte verzeichnet sind! Denn es gibt hier z.B. die Möglichkeit, durch einen ehemaligen Steinbruch, den ich auf der Karte ungefähr verzeichnet habe, hinauf zum Turm zu kommen. So kompliziert ist es nicht, wenn man daran denkt, das man immer auf einen Weg abbiegt, der nach links hinaufführt.

Der Gelbe Turm, ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts aus herrlichen, gelben Backsteinen errichtet, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die aber glücklicherweise ein very Happy End hat. Lange Zeit diente er als spektakulärer Aussichtsturm, denn von hier aus konnte man in den Harz bis zum Brocken sehen und soweit der Blick reichte, in die Norddeutsche Tiefebene. Mit der Zeit wuchs die Aussicht mehr und mehr zu, das Interesse ließ nach und der Turm wurde baufällig. Schon in den 1980er Jahren entstanden Pläne, den Turm niederzulegen. Da kann man auch mal froh sein, das die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen. Mitte der 1990er Jahre kam das Thema wieder auf und der Turm sollte das Schicksal so vieler, schöner Bauwerke der Vergangenheit teilen. Aber freundliche Bürger der Stadt gründeten 1996 einen Verein zur Rettung des Bauwerks und hatten letztendlich Erfolg damit. Durch „Stufenpatenschaften“ und „Sternpatenschaften“ der später eingerichteten Volkssternwarte, den Verkauf von Nachbildungen der original über dem Eingang hängenden Hildesheimer Jungfrau, der Hildesia, und weiteren privaten Spenden, konnte das Geld aufgebracht werden, um den Turm zu sanieren. Heute kann man zu bestimmten Zeiten (siehe hier), die immer noch etwas eingeschränkte Aussicht auf den „Fußboden“ genießen oder den Blick in die Sterne schweifen lassen. Eine Erfolgsgeschichte, die hoffentlich nicht allzu bald endet.

Sommerwurz an der Stromtrasse

Sommerwurz an der Stromtrasse

Unterhalb des Turms ist ein netter Rastplatz, weiter geht es auf dem geraden „Kammweg“ zum Brockenblick. Den Blick hat man hier nicht mehr, wie früher üblich, von dem vor der immer noch existierenden Hotel/Waldgaststätte „Brockenblick“, gelegenen Biergarten. Zu viele Bäume, zu hoch gewachsen. Hinter der schön gelegenen Einkehrmöglichkeit, heißt es Augen auf. Denn der kleine Pfad, den wir nehmen wollen, liegt versteckt, nur ein paar Meter hinter dem Haus. Die Alternative wäre, der in den letzten Jahren wahrlich zur Harvester-Autobahn verkommene Kammweg, den ich höchstens noch nehme, wenn ich mit dem Fahrrad in die Pilze fahren will. Der kleine Pfad, der uns nach links in den schönen Mischwald führt, ist herrlich wie fast alle kleinen Wege hier. Wir schlängeln uns also leicht bergab durch den Wald und gelangen so zur alten „Stromtrasse“. Diese ist meistens dschungelartig überwuchert, aber der Pfad ist aach im Sommer noch begehbar. Etwas weiter oben wurde letztes Jahr radikal gemäht und auf der entstandenen Wiese entdeckten wir, zu unserem eigenen Erstaunen, Pflanzen wie den Natternkopf, das Tausendgüldenkraut, die Türkenbundlilie und … es war ein Erlebnis … zahlreiche Exemplare der Gattung Sommerwurz. Das ist wunderbar, weil der „junge“ Wald hier eigentlich relativ wenige, augenfällige Arten zu bieten hat, und muss immer mal wieder in Augenschein genommen werden.

Über die Stromtrasse geht es hinüber, dann wieder in den Wald, etwas hinab, und am nächsten Abzweig, gehen wir nach links wieder hinauf. Auch ein netter Weg, der zu einem breiteren führt, der uns schließlich, links hinauf zum Kamm bringt. Noch endet an dieser Stelle der „Autobahnbau“ und hoffentlich bleibt das auch noch lange so. Denn der Kammweg, der hier über den Knebelberg, zur (richtigen!) Autobahn-Raststätte „Hildesheimer Börde“ führt, ist wirklich klasse. Da werde ich auch hoffentlich bald mal eine kurze Streckentour einstellen können … selbstverständlich mit Einkehr beim Burger-King an der A7.  Wir kommen nach wenigen hundert Metern zur Hildesheimer Landwehr, die noch deutlich zu erkennen ist und der Landschaft hier ihren Stempel aufdrückt. Das hat etwas fast schon mystisches, wenn man hier, vielleicht bei entsprechender Witterung, durch die Gräben und Mulden und Vertiefungen hindurchwandert. Soweit ich weiß, und ich weiß nicht viel, ist dies hier schon die markanteste Stelle, die von der ehemaligen Hildesheimer „Außenbefestigung“ übrig geblieben ist.

Man kann jetzt auch noch weiter auf dem Kamm bleiben und erst hinter dem „Gipfel“ des Knebelberges, der ja schon zum Vorholz zählt, rechts hinab gehen. Aus der Erinnerung heraus, vielleicht sogar die „bessere“ Wahl. Wir nahmen dieses Mal einen breiteren, aber nicht unangenehm breiten Weg in Richtung Lechstedt. Unten angekommen, geht es am Waldrand und am Rand einer großen Agrar-Freifläche weiter. Durch ihre Struktur, vereinzelte Bäume und umliegende Waldflächen, hat diese Landschaft trotzdem ihren ganz eigenen Charme. Noch einmal am Waldrand entlang, erreichen wir einen freundlichen Grasweg, der freundlichst mitten durch die Felder führt. Wer in der regional gut bekannten „Obstweinschänke Lechstedt“ einkehren möchte, nimmt einen der anderen Wege und steigt irgendwo anders, z.B. in der Querburg wieder ein. Wir gehen ab durch die Mitte und erreichen das Waldstück Querburg. Ein netter Waldweg führt uns zu dem schon ein wenig idyllisch gelegenen Fischteich, mit dem „Findlingsaltar“ und einigen, wirklich lauschigen Rastbänken. Oberhalb der Teiche, soll einst die Landwehr verlaufen sein und es hat wohl eine „burgartige“ Palisadenbefestigung gegeben.

Grasweg an der Querburg

Grasweg an der Querburg

Es geht hinauf, durch weitere Felder, mit schönem Ausblick ins Innerstetal, den Hildesheimer Wald und die Ränder der Stadt, auf die wir uns jetzt zubewegen. Dann wieder hinab ins Bachtal am Landwehrweg, zu einem Rastplatz unter alten Weiden. Dahinter biegen wir rechts ab auf den Waldrandweg, dem wir mehr oder weniger, bis zum „Steinsoldaten“ folgen werden. Am Anfang noch etwas breiter und barrierefrei, bekommen wir kurz danach, schon einen Vorgeschmack der Schönheit, die diesen Weg prägt. Ein schmaler Pfad, gesäumt von zahlreichen Sträuchern, alten und/oder knorrig gewachsenen Bäumen, wie z.B. Hainbuchen, Buchen, Eichen oder Kirschen. Das macht einfach richtig Böcke, besonders wenn man in der „belaubten“ Zeit von der „Außenwelt“ nicht viel mitbekommt. Denn das kleine Itzum, vor einigen Jahrzehnten noch optisch eigenständig, ist durch massive Neubaugebiete, nahezu mit der Stadt verschmolzen. Neu-Itzum erstreckt sich mittlerweile, nur noch mit minimalem „Sicherheitsabstand“, bis zum Waldrand. Aber so häßlich ist das im kleinen, gemütlichen Hildesheim, nun auch wieder nicht und die Reize dieses nicht zu verachtenenden Waldrandweges, lenken zur Genüge ab. Wer wie gesagt, diesen ständigen Ausblick auf die Stadtränder ganz vermeiden will, der geht die Tour, einfach andersherum als in dieser Beschreibung.

Kurz müssen wir auf den breiten Weg außerhalb des Waldes, dann geht es rechts hinauf, durch den Wald, zum nächsten Abschnitt. Wir überqueren wieder die Stromtrasse, diesmal etwas weiter unten und gelangen wieder auf einen schmalen Pfad am Waldrand. Hier gibt es einige Bänke, auf denen es sich gut rasten lässt. Aussichten werden immer spärlicher, denn der Weg entwickelt sich nach und nach, zu einer Art „Zwergentunnel“ für Riesen. Oberhalb des Lerchenfeldes, öffnet sich der Blick wieder auf die umliegenden Stadtteile und wir wenden uns, nach kurzer Strecke auf dem Weg zur Jahnswiese, am Ackerrand entlang, nach links hinab. Das ist der Abstieg zur Tonkuhle, die als einzig deutlich sichtbares Überbleibsel, auch als Radiosender, noch Zeugnis ablegt von den historischen Gegebenheiten, die diese Ecke Hildesheims prägten. Rechts von uns im Wald, befinden sich zahlreiche Überreste eines bzw. mehrerer Schießstände, die vom Infanterie-Regiment „von Voigts-Rhetz“ (3. Hannoversches) Nr.79 angelegt wurden. Der am Anfang unserer Tour stehende „Steinsoldat“, ist das Denkmal dieses ehemals in der Waterloo-Kaserne stationierten Regiments. Bei der Erweiterung der Schießstände, wurde von einem preußischen Kanonier, im Jahre 1868, der berühmte „Hildesheimer Silberfund“ ausgegraben.

Also war hier, wo es meistens relativ gechillt zugeht, mal richtig was los. Wege gibt es zur Tonkuhle und darüber hinaus etliche, viele sind nirgends verzeichnet. Wer Lust hat, kann also von dem eingezeichneten Weg abweichen und sich einen anderen, parallel zum Hang verlaufenden Weg suchen. Dabei stößt man immer wieder auf Reste der ehemaligen Schießanlage. Aber auch die „handelsüblichen“ Wege sind naturnah und führen durch den schönen Mischwald am Rande der Stadt. Einen Abstecher kann man auch zur Tonkuhle machen, die den Platz markiert, an dem einst eine gewaltige Ziegelei stand. Heute kann man sich hier im Sommer ins kühlende Nass stürzen. Wir gehen an den terassenförmig angelegten Wohnblöcken vorbei, an deren Stelle früher Ziegeleigebäude und weitere, kleinere Schießstände standen, und kommen auf diesem Weg, vorbei am Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte, zum Silberfund-Denkmal.

Wo könnte es schöner sein...

Wo könnte es schöner sein…

Der Hildesheimer Silberfund! Am 17. Oktober 1868, stieß der Musketier August Armbrecht, bei Schanzarbeiten für einen Schießstand, in 2,35m Tiefe, auf Metall. Was sich da schließlich nach und nach im Boden abzeichnete, war ein zentnerschwerer, römischer Silberschatz. Der Schatz wurde nach Berlin deportiert, wo er heute noch im Staatlichen Museum bewundert werden kann. August Armbrecht bekam vom Kaiser einen Finderlohn von 10.000 Talern, heiratete eine Himmelthürerin und eröffnete, in der nach ihm bzw. seinem Fund benannten Silberfinderstraße, die Gaststätte „Zum Silberfund“. Was haben sich die Historiker gestritten! Denn (nicht nur) Hildesheimer Lokalhistoriker, vermuteten im Silberfund, das Tafelgeschirr des Varus, der nämlich in Hildesheim geschlagen wurde, nicht in den Sümpfen von Kalkriese. Heute belächelt man diese Spekulationen, die sich um Orte wie Schellerten, Elze, Segeste und Irmenseul ranken. Aber allzu gesichert ist Kalkriese nun auch wieder nicht. Eine Schlacht hat dort stattgefunden, aber ob es wirklich die Varus-Schlacht war? Vom Silberfund-Denkmal geht es noch ein Stück am Waldrand entlang, dann in die Mozartstraße, die auch an diesem Ende, nicht gerade eine Arbeitersiedlung ist. Hier gelangen wir zurück zum „Steinsoldaten“ und an den Kastanien angekommen, biegen wir auf die Abkürzung ab, die uns durch die Mendelssohnstraße, direkt auf dem „kurzen Dienstweg“, zum Ostbahnhof zurückführt.

Uups, jetzt habe ich zum Ende hin, zwar noch etwas Gas gegeben, aber der Beitrag ist doch viel länger geworden, als eigentlich beabsichtigt. Vieles davon hat nicht direkt mit dem Wandern zu tun, gehört für uns aber mittlerweile einfach dazu. Denn im Laufe der Jahre … Mein, Gott, es sind schon Jahrzehnte … sind fast alle Gegenden, die wir durchstreift haben, mehr oder weniger zur Heimat geworden. Wenn man die Augen, das Herz und den Geist öffnet und/oder offen hält, ist es fast unvermeidlich, sich für Natur und Kultur, nicht nur am Wegesrand, zu interessieren. Aber vieles, das den „Galgenberg-Höhenzug“ausmacht, habe ich auch weggelassen, stark verkürzt wiedergegeben oder schlichtweg vergessen. Wer Interesse hat, wird sich da eh selbst auf Spurensuche begeben wollen. Alles in allem denke ich, das diese Runde am „Galgenberg-Höhenzug“, für die kleinste und jüngste Großstadt Deutschlands, durchaus ein kleines Wander-Aushängeschild darstellt. Eine, wie ich finde, sehr angenehme Verbindung von Natur und Kultur, und durchaus als alternativer „Stadtrundgang“ empfehlenswert.

L I T E R A T U R
  • Haeupler/Mühr – Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands – Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild – ISBN 978-3800149902
    • Horst Kretzschmar – Die Orchideen Deutschlands und angrenzender Länder – ISBN 978-3494014197
      • VHS Hildesheim – Reiseführer Hildesheimer Land – ISBN 978-3806785067
      F O T O G A L E R I E

      W A N D E R K A R T E / D O W N L O A D GPX

      (Downloadlink in der unteren Kartenleiste)

      Als KML-Datei für Google Earth/Goolge Maps exportierenStandalone-Karte im Vollbild-Modus öffnenQR Code-Bild für Standalone-Vollbild-Kartenlink erstellenAls GeoJSON exportierenAls GeoJSON exportieren
      Hildesheim - Lechstedt - Hildesheim

      Karte wird geladen - bitte warten...

      Start / Ziel: 52.146027, 9.962894
      Gemeine Esche: 52.146671, 9.962507
      St. Lamberti / St. Godehard-Friedhof: 52.143152, 9.960051
      Die Sieben-Brüder-Häuser: 52.144150, 9.963784
      Die ehemalige Malzfabrik: 52.143725, 9.960866
      Die \'Hildesheimer Braumanufaktur\': 52.150921, 9.970087
      Die Ortsschlumpquelle: 52.150776, 9.970645
      Das Kriegerdenkmal am Galgenberg (\'Steinsoldat\'): 52.144706, 9.970050
      Naturdenkmal \'Sechs Kastanien\': 52.144452, 9.968188
      Mehrere Bänke: 52.144637, 9.969519
      Villenviertel an der Mozartstraße: 52.145799, 9.969277
      Wasserhochbehälter der Ortsschlump von 1894/95: 52.145898, 9.970323
      Aussichtspunkt \'Bratpfanne\': 52.144785, 9.971069
      Aussichtsturm \'Bismarckturm\': 52.143926, 9.972855
      Restaurant \'LewensLust\' (ehemals Galgenberg): 52.141694, 9.976353
      Rodelbahnen an der Jahnswiese: 52.143577, 9.976434
      Aussichtspunkt Jahnswiese: 52.140308, 9.985247
      Park & Ride am Ostbahnhof: 52.146329, 9.963430
      Parkmöglichkeiten am Galgenberg: 52.145028, 9.976450
      Restaurant \'Obstweinschänke Lechstedt\': 52.116357, 10.028050
      Parkplatz unterhalb des Brockenblick: 52.136901, 9.996754
      Parkmöglichkeiten an der Jahnswiese: 52.140200, 9.985424
      Schutzhütte: 52.139685, 9.984778
      Aussichtsturm / Sternwarte \'Gelber Turm\': 52.136637, 9.989115
      Ehemaliges Steinbruchgelände: 52.136587, 9.987495
      Restaurant / Hotel \'Brockenblick\': 52.135663, 9.995295
      Die Hildesheimer Landwehr: 52.132304, 10.011613
      Fischteich in der Querburg: 52.120818, 10.023522
      Bank: 52.123479, 10.026848
      Rastplatz am Weidenmann: 52.121023, 10.010060
      Der Waldrandweg am Höhenzug: 52.126126, 10.005133
      Bank: 52.134318, 9.992409
      Mehrere Bänke: 52.137732, 9.981079
      Bank: 52.138487, 9.977732
      Die Tonkuhle: 52.137651, 9.975361
      Ehem. Schießstände am Galgenberg: 52.138744, 9.976825
      Gedenkstein an den \'Hildesheimer Silberfund\': 52.142056, 9.972019
      V E R W A N D T E
      B E I T R Ä G E
      P D F / E – M A I L / D R U C K