Selbst eine äußerst flache, auf dem Papier nichtssagende „Wanderung“ wie diese, kann spannend und entspannend zugleich sein —

Sportplatz SC Harsum/Waldgasthaus „Zum Kuckuck“ – Hollenmeerholz – Hafen Harsum – Stichkanal Hildesheim – Saubeeksholz – Marienkapelle Harsum – Waldgasthaus „Zum Kuckuck“/Sportplatz SC Harsum
Ende Februar 2017
Parkbuchten am Sportplatz „SC Harsum“ bzw. am Waldgasthaus „Zum Kuckuck“. Alternativ Parkplätze an der Marienkapelle
Haha … sagenumwobene 20 Höhenmeter Steigungen … hauptsächlich an den Kanalböschungen
Stichkanal Hildesheim mit Brücken und Harsumer „Hafen“, Marienkapelle Harsum mit Prozessionsweg
Von Hildesheim aus z.B. mit der Bahn nach Harsum, dann wenige hundert Meter bis zur Marienkapelle am Haseder Weg

Vorbei mit dem sachsen! Das habe ich auch gedacht, als wir uns dazu durchrangen, an einem der nicht gerade häufigen, halbwegs schönen Tage des Februar 2017, diesen Weg zu nehmen, der eigentlich für eine Sommertour, mit Einkehr im Waldgasthaus „Zum Kuckuck“ angedacht war. Aber der Frühling lockte zu sehr und die im Sommer 2016 per Fahrrad erkundeten Wege, drängten darauf, endlich begangen zu werden. Denn der Uferweg in diesem Bereich des Hildesheimer Stichkanals, ist wirklich freundlich und der Harsumer Wald, mit seinen schmalen Pfaden, ist bei Kennern eh ein beliebtes Ausflugsziel. Von den ehemals zwei Ausflugsgaststätten im und am Wald, existiert jetzt wohl nur noch der tolle „Kuckuck“, den etliche noch als Villa Kunterbunt kennen werden. Der im Harsumer Wald gelegene Waldfrieden, hat seine Tore wohl (vorerst) geschlossen. Was ich nicht unerwähnt lassen will ist, das trotz aller Schönheiten auf und am Wege, die Autobahn A7 ständiger, akkustischer Begleiter der Tour ist. Je nach Witterung, kann das den einen oder die andere, mehr oder weniger nerven. Ich persönlich nehme so etwas eher kaum wahr, weil ich entweder als „Anwohner“ der Autobahn oder aus einem anderen Grund daran gewöhnt bin.

Waldweg im Hollenmeerholz

Waldweg im Hollenmeerholz

Start ist am Sportplatz des SC Harsum, vor dem es, wenn nicht gerade Fußball gespielt wird, etliche freie Parkbuchten am Straßenrand gibt. Von hier aus sind es nur wenige Schritte zum schönen Waldgasthaus „Zum Kuckuck“, das wir ausnahmsweise mal persönlich empfehlen können, weil es fester Bestandteil fast jeder Tour in der Gegend ist. Hinter dem Sportplatz gehen wir aber zuerst in den Weg „Am Kanal“, der uns an zwei Waldhäusern vorbei, in das Hollenmeerholz führt. Das erscheint erstmal nicht so prickelnd, aber lassen wir der Gegend etwas Zeit, ihre Reize zu offenbaren. Am Rand der Hildesheimer Börde, reicht der Blick weit in die brettflache Landschaft mit ihren wertvollen Böden. Am Horizont sind z.B. die Zuckerfabrik in Clauen oder das Steinkohlekraftwerk in Mehrum, deutliche Landmarken. Wir verlassen den Wald in Richtung Unsinnbach, gehen am ersten Abzweig aber gleich zwei Mal links, um die „Rübenwüste“ wieder zu verlassen.

Dabei begegnen wir erstmals auf der Tour, den Gleisen der ehemaligen Werksanschlussbahn vom Kaliwerk „Siegfried Giesen“ zum Bahnhof nach Harsum. Diese führt(e), damals noch ausgehend vom Kaliwerk Rössing-Barnten, über die Kaliwerke Siegfried Giesen und Fürstenhall Ahrbergen, zum Harsumer Hafen am Stichkanal, und dann weiter zum Bahnhof Harsum. Damit waren drei der vier Kaliwerke des Sarstedter Salzstockes, über diese Bahn mit der großen, weiten Welt verbunden. Nach lange andauerndem Niedergang, einige Werke förderten bereits seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr, kam das vorübergehende Ende an diesem Salzstock, gegen Ende des letzten Jahrtausends. Seit 2010 gibt es immer wieder auftauchende Spekulationen über eine mögliche Wiederinbetriebnahme, aber momentan keine kurzfristigen Pläne dazu. Der weithin sichtbare Kalimandscharo von Giesen, war für mich in der Kindheit immer ein Wahrzeichen der Gegend. Ich erinnere mich, wie die Wände wackelten, wenn mal wieder gesprengt wurde. Mein Opa und mein Onkel waren hier bergmännisch tätig und die Kalikumpels präsentierten jedes Jahr zum Schützenfest, stolz ihre Uniformen. Wer weiß, was die Zeit bringen mag.

Wir gehen jetzt auf jeden Fall parallel zu den noch vorhandenen Gleisen und durchqueren auf schmalem Pfad, das nächste Waldstück, um zum Kanal zu gelangen. Den erreichen wir an der Brücke der Kaliwerksbahn, die wir als Fußgänger auf eigene Gefahr überqueren dürfen. Von der Brücke aus, hat man einen guten Ausblick auf das Becken des kleinen „Harsumer Hafens“ und auf eventuell auftauchende Binnenschifffahrtsschiffe. Als wir hier wandelten, war recht guter Betrieb und sogar eines der „Multifunktionsschiffe“ des WSA Braunschweig, war gerade mit der „Kanalpflege“ beschäftigt. Der Weg in Richtung Norden sieht auch ganz interessant aus, bietet sich aber eher weniger an. Denn man müsste dann, bis hinter den von hier aus schwach erkennbaren Kanalhafen von Algermissen laufen. Wem die für uns eher eintönige Strecke nichts ausmacht, kann die Tour so aber gerne noch um einige Kilometer verlängern.

Binnenfrachtschiff auf dem Stichkanal

Binnenfrachtschiff auf dem Stichkanal

Für uns geht es jetzt auf der anderen Kanalseite weiter. Zuerst auf einem offenen, nur an den Seiten baum- und strauchbestandenen Weg, nach der nächsten Brücke wird es dann etwas gemütlicher. Trotzdem gibt es eigentlich immer etwas zu entdecken, wenn man die Augen offen hält. Enten und Möwen bekommt man eigentlich immer zu sehen, und auch botanisch wird es streckenweise interessanter, als man es an einem Kanal erwarten würde. Der jetzt folgende Abschnitt, zwischen der zweiten und dritten Kanalbrücke des Tages, ist für uns der schönste des gesamten Hildesheimer Stichkanals. Hier geht es streckenweise sogar durch einen richtigen Wald, der sich im späteren Frühling, bestimmt auch von seiner besten Seite präsentiert. Als wir hier waren, lugte lediglich der frühe Aronstab schon durchs herbstliche Laub. An der dritten Kanalbrücke des Tages, eine alte Verbindung zwischen der Haseder Feldmark und dem Harsumer Wald, wechseln wir wieder die Kanalseite, um einen der wirklich schönen Frühlingswälder des Hildesheimer Landes zu durchwandern.

Dazu gehen wir noch ein wenig am Kanalufer entlang und erreichen die lauteste Stelle des Tages, die nur noch wenige hundert Meter Luftlinie von der A7 entfernt ist. Hier kommt es einem im Frühjahr fast so vor, als würden die Vögel extra laut singen, trillern und pfeifen, um sich gegen den Lärm der automobilen Menschen zu stemmen. Der Weg führt uns nach Osten, weg vom Lärm, an einem Holzkreuz mit Bank, auf den wanderbaren Pfad, der uns jetzt immer am Rand, um das Saubeeksholz führt. Ein wirklich schöner Wald, hauptsächlich von Hainbuchen und Eichen, und schon zeitig im Frühjahr, von einigen Frühblühern, wie dem Märzenbecher und dem Schneeglöckchen, bevölkert. Der Pfad schlängelt sich durch den Wald, teilweise umgeht er die wunderbaren Hainbuchen, die wir in den letzten Jahren immer mehr lieben gelernt haben. So erreichen wir aufs Herrlichste die wohl leider jetzt (vorerst) endgültig ehemalige Waldgaststätte „Waldfrieden“. Aber als abseits gelegenes Waldwohnhaus dient es ja auch für irgendjemanden einem „guten Zweck“. Parallel zum asphaltierten „Haseder Weg“ erreichen wir den Rand Harsums.

Harsum war und ist eines der größten Dörfer im Umfeld der alten Bischofsstadt Hildesheim. Aus der Weite ist es relativ leicht auszumachen, durch den hohen Turm der für diese Gegend gewaltigen St. Cäcilia-Kirche. Ich kenne den Ort hauptsächlich durch meine Zeit an der Realschule des Ortes, heute Molitoris-Schule, und durch den oftmaligen Besuch des leider nicht mehr existierenden „Sergeant Peppers“, einer überregional bekannten Rock- und Metaldisco. An der heutigen Molitoris-Schule kommen wir auch aus dem Wald und erblicken sogleich die nicht zu übersehende, schöne Marienkapelle. Eine Infotafel (siehe Fotos), informiert über das 1726 hier „steckengebliebene“ Marienstandbild und die 1857 errichtete Kapelle. Wenn nicht gerade die Kids über den Schulhof toben, kann man an der Kapelle noch eine schöne Pause machen und als kleine Verlängerung, den kurzen Kreuzweg an der Kapelle gehen. Ansonsten geht es weiter auf schmalem Pfad durch den Harsumer Wald.

Die Harsumer Marienkapelle

Die Harsumer Marienkapelle

Am Westrand Harsums ist vor langen Jahren ein neuer Ortsteil entstanden, der den früher sehr idyllischen Weg etwas weniger idyllisch gemacht hat. Trotzdem ein sehr wanderbarer Weg, der uns durch den schönen Mischwald zurück zum Kanal bringt. Auch dieser letzte Abschnitt, zwischen der bewachsenen Kanalböschung und dem Laubwald, ist ein äußerst freundlicher „Wandelpfad“, auf dem wir erst die L467 und schließlich unseren Ausgangspunkt an der Waldgaststätte „Zum Kuckuck“ erreichen. Zum Abschluss muss man hier auf jeden Fall einkehren. Je nach Witterung, kann man dann die kurze, aber erlebnisreiche Tour, im Biergarten oder vorm Kamin ausklingen lassen. Das war zugegebenermaßen mal eine sehr kurze Tour, die aber wirklich Spaß macht, wenn man auch ein Auge, ein Ohr und ein Herz für die kleinen „Sehenswürdigkeiten“ des Lebens und der eigenen Heimat hat. Wie immer einen Fußbreit festen Boden unter den Füßen und einen wundervollen, erlebnisreichen Frühling, wünscht euch von ganzem Herzen der sachsenkrieger…

L I T E R A T U R
  • Haeupler/Mühr – Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands – Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild – ISBN 978-3800149902
F O T O G A L E R I E

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Harsum - Stichkanal Hildesheim - Harsum

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Start / Ziel: 52.214506, 9.943238
Sportplatz \'SC Harsum\': 52.215107, 9.943893
Waldgaststätte \'Zum Kuckuck\': 52.214010, 9.943603
Ehemalige Werksanschlussbahn \'Siegfried Giesen\' - Bahnhof Harsum: 52.223186, 9.944462
Ehemalige Werksanschlussbahn \'Siegfried Giesen\' - Bahnhof Harsum: 52.223297, 9.935997
Eisenbahnbrücke über den Stichkanal: 52.223692, 9.940245
Stichkanal Hildesheim: 52.219649, 9.940073
Stichkanal Hildesheim: 52.209250, 9.940588
Ehem. Waldgaststätte \'Waldfrieden\': 52.204989, 9.948034
Bank: 52.212064, 9.940352
Bank: 52.202912, 9.943786
Bank: 52.203306, 9.947573
Mehrere Bänke: 52.206364, 9.953214
Die Marienkapelle mit Standbild Mutter Gottes: 52.206254, 9.952978
Prozessionsweg an der Marienkapelle: 52.206163, 9.952009
Bank: 52.207619, 9.952358
Die unruhestiftende A7: 52.200557, 9.940653
Brücke über den Stichkanal: 52.214903, 9.939945
Brücke über den Stichkanal: 52.206607, 9.941339
V E R W A N D T E
B E I T R Ä G E
P D F / E – M A I L / D R U C K