Rundwanderung von Hakenrode auf den Kamm des Ith und über den Wasserbaum Ockensen zurück —

Hakenrode – Waltensteiner Berg – Dohnsener Klippen – Hammerslust – Ithkamm – Wasserbaum Ockensen – NSG „Im Heidsieke“ – Ockenser Bach – Wallensen – Horst – Hakenrode
Ende März 2014
Parkplatz oberhalb von Hakenrode am Fuße des Ith (K11), alternativ am Wasserbaum Ockensen
knapp 250 Höhenmeter Steigungen, steil auf den Ith und genauso steil wieder hinab
Gut Hakenrode, Ithkamm, Wasserbaum Ockensen

ACHTUNG: Dies ist, aus nördlicher Richtung gesehen, die dritte von insgesamt 5 Rundwanderungen am Ith, die wir zwischen August 2013 und März 2015 durchgezogen haben. Alle fünf Wanderungen, sind ganz unten, unter dem Punkt „Verwandte Beiträge“, zu finden.

Folgt man der K11 von Wallensen nach Hakenrode und weiter zum Parkplatz, bemerkt man den abgeschiedenen Charakter dieses Fleckchens. Welche Kräfte auch immer dafür verantwortlich sein mögen, das sich hier eine dem Ith vorgelagerte „Falte“ gebildet hat, wir können es auf jeden Fall genießen, hier zu wandern. Eine ähnlich freundliche Landschaft findet man übrigens auch zwischen Söhre und Wesseln bei Hildesheim, eine entsprechende Wanderung wird bestimmt noch hier folgen. Heute bleiben wir aber erst mal am Ith, der wieder erstaunliches zu bieten hat. Die Tour ist etwas kürzer geraten, da es nicht unbegrenzt Zugänge zum Ithkamm gibt und wir den Abstecher zum NSG „Sollberg“ wegließen, um einen Rückweg auf reinen Feldwegen zu vermeiden.

Hakenrode und Umgebung

Hakenrode und Umgebung

Diesen Weg kannten wir schon teilweise, allerdings sind wir damals nicht auf den Kamm geklettert. Weiter als bis nach Ockensen sind wir auf dem Ithkamm nie gekommen, trotz der 5-6 Wanderungen in den letzten 15 Jahren. Eine Schande eigentlich, darum haben wir das jetzt auch nachgeholt. Vom schönen, kleinen „Wanderparkplatz“ Hakenrode gehen zahlreiche Feldwege in alle Richtungen und man begegnet in dieser zauberhaften Landschaft eigentlich immer Spaziergängern. Uns führt die eigentlich hier endende K11 recht zügig zum Ith, an dem sich im Frühjahr schon wieder die ersten dunklen Bärlauchfelder erkennen lassen. Unser Vorrat für die nächsten 12 Monate ist außerhalb von Naturschutzgebieten glücklicherweise bereits gedeckt worden.

Wir folgen zuerst dem baumgesäumten Feldweg zum Fuße des Iths. Frühblüher, wie das Scharbockskraut, Schlüsselblumen, Bärlauch oder Veilchen sind schon zahlreich am Wegesrand vertreten. Beim Eintritt in den Wald leider wieder einmal ein Bild des Grauens, mit schwerem Gerät wurden hier selbst die Fern- und/oder Qualitätswanderwege verunstaltet. Hier ist Vorsicht geboten, der „Ith-Hils-(Zu)Weg“ ist aber gut markiert. Wie fast immer am sagenumwobenen Ith geht es arg hinauf, positiv gesehen ist das aber auch der kürzestmögliche Weg. Bei unserem Besuch wurden wir von mehreren gestürzten Buchenveteranen behindert. Ist irgendwie witzig, das diese Bäume immer so fallen, das meine Maus einfach drunter durchgeht und ich weder drunter durch noch darüber hinweg komme. Naja, irgendwie gehts halt immer und aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man ja bekanntlich etwas Schönes bauen! Langsam, aber zielstrebig nähern wir uns dem Ithkamm und können jetzt schon sehen, was uns hier oben alles erwartet am heutigen Tag. Im Gegensatz zur letzten Tour vom Wasserbaum auf den Ith und zurück, gibt es heute eine größere Abwechslung. Hier hat der Bärlauch noch nicht derart das Kommando übernommen und wir erlebten hier die gesamte Palette der Frühlingsboten. Zumindest alles außer dem Buschwindröschen, für das wir erstaunlicherweise wohl immer noch etwas zu früh waren. Hier im NSG „Ith“ kann man sogar manchmal eine eher etwas unfreiwillige „Symbiose“ zwischen Bärlauch und Lerchensporn entdecken, wenn sich nämlich eine vorwitzige Lerchenspornblüte durch die zentralen Blätter des Bärlauchs mogelt.

Das NSG Ith umfasst auf über 2.700ha hauptsächlich die höheren und die Kammlagen des Ith. Zahlreiche verschiedene Lebensräume prägen diesen großen Kalkbuchen- und Schluchtwald, unter anderem finden sich hier Quellbereiche- und Bachtäler, Schlucht- und Hangmischwälder, Fels- und Gesteinsbiotope. In einigen Bereichen finden sich montane bis alpine Lebensräume, auch einige nicht touristisch erschlossene Höhlen sind vorhanden. Die Pflanzenwelt zeigt sich besonders prächtig im Frühjahr mit ihrer Lerchensporn- und Anemonenblüte und dem zahlreich vorhandenen Bärlauch, es gibt aber auch später noch eine herausragende botanische Vielfalt mit seltenen Pflanzen, wie z.B. der Weißen Fetthenne, dem Silberblatt, dem Hirschzungenfarn und verschiedenen Orchideenarten. Die Tierwelt besitzt ebenfalls einen hohen Schutzwert. Es sind nicht nur die seltenen Arten, wie Wildkatze, Rotmilan, Schwarzstorch, Großes Mausohr oder Wanderfalke, die von einer großen Vielfalt zeugen.

Felsvegetation

Felsvegetation

Schließlich gelangen wir durch die ersten ausgedehnten Lerchenspornbestände, auf den eigentlichen Kammweg. Hier führt auch einer der seltenen Wege auf der Westseite des Ith nach Halle. Natürlich nicht nach Halle/Westfalen oder Halle/Saale, sondern nach Halle am Spüligbach. Wir betreten jetzt den Ithkamm, der auch auf diesem recht kurzen Abschnitt, wieder seinem phantastischen Ruf gerecht wird. Am Einstieg in die Dohnsener Klippen, lag bei unserem Besuch das Herbstlaub auf 50m Länge, ungelogen mehr als 50cm hoch. Auf dem gesamten Kammweg liegt jetzt immer wieder Laub über Wurzeln und losem Gestein, etwas Vorsicht ist angesagt. Aber für Speedhiker ist das hier sowieso das falsche Terrain, außer sie sind lebensmüde. Nicht nur der mäandernde Weg und das ständige Auf und Ab fordern Aufmerksamkeit, jetzt im Frühjahr weiß man als Naturfreund gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Es gibt hier keine Massenbestände einer einzelnen Pflanzenart, aber eine unglaubliche Fülle verschiedenster. Was soll man auch noch sagen zum Pfad auf dem Ithkamm? Einer der auf seiner gesamten Länge schönsten und naturbelassensten Wanderwege Deutschlands? Mit Sicherheit!

Immer wieder tauchen Klippen und Felsen auf, die keine offiziellen Namen tragen, so das wir unsere eigene Phantasie gebrauchen können. Es geht durch herrlichen Buchenmischwald, mit teilweise skurilen Bäumen auf den steilen Felsen. Der Märzenbecher ist hier übrigens hauptsächlich auf den steilen Westhängen beheimatet, hat dort allerdings auch kaum Konkurrenz. Ansonsten ist es ein ständig wechselnder Blütentraum aus Lerchensporn, Veilchen, Goldstern, Scharbockskraut, Gelbem Windröschen und mehr, der Bärlauch und das Waldbingelkraut liefern das satte Grün im Hintergrund. Hammerslust ist nicht nur ein sehr schöner Aussichtspunkt ins Wesertal, sondern auch eine gute Rastmöglichkeit, denn es gibt ansonsten keine Bänke oder ähnliches. Auf den markanten Felsen stehen genauso markante Bäume, und hier wachsen auch einige Sedum-Arten, Flechten, Moose, Farne und andere typische Felsbewohner. In der Ferne erkennt man die Kühltürme des Kernkraftwerkes Grohnde, die mir im Laufe der letzten Jahre immer sympathischer geworden sind. Das gehört eigentlich nicht in einen solchen Beitrag, aber um dieses eine KKW zu ersetzen, bräuchte man nicht dieses Dutzend Windmeiler, das hier momentan steht, sondern ca. 5000 davon! Die Kernkraft ist keine Lösung unserer zukünftigen Energieprobleme, die Windmeiler und Maiswälder allerdings sind Wahnsinn. Nachfolgende Generationen, die sich um den Abriss dieser Industrieanlagen kümmern müssen, werden sich bedanken.

So, jetzt aber nichts wie weiter mit tollen Felsen und einem Kammweg, der teilweise nur noch einige wenige Schritte schmal ist. Ein wenig schwindelfrei und trittsicher sollte man an einigen Stellen des Ithkamm sein. Wir kommen an einem weiteren markanten Felsen vorbei, den ich kurzerhand als „Den Späher“ oder „Lug ins Land“ bezeichnet habe. Der Weg beginnt langsam etwas bergab zu führen, wir nähern uns dem Pass oberhalb von Ockensen. Jetzt kommt unvermeidlich einer der steilsten Abstiege vom Ith ins Tal, an dessen Ende uns dann mit dem Wasserbaum Ockensen eine einmalige Sehenswürdigkeit erwartet.

Der Wasserbaum Ockensen ist nicht der einzige seiner Art, gehört aber bestimmt zu den beeindruckendsten Exemplaren. 1904 errichtete der Sägemüller Hermann Meyer das unterhalb des Wasserbaums gelegene Wohnhaus mit Sägemühlenbetrieb. Für den Betrieb der Sägen trieb das Wasser eines am Fuße des Ith angelegten Teiches eine Strom erzeugende Turbine an, die aber nur bei entsprechend hohem Wasserstand genügend Strom erzeugen konnte. Um nicht jedesmal zu Teich gehen zu müssen, hatte er irgendwann die geniale Idee, aus mehreren Brettern einen quadratischen Überlauf zu bauen, der es ihm erlaubte, schon aus seinem Haus sehen zu können, wann genügend Wasserkraft vorhanden war. Im Laufe der über 100 Jahre seit seiner Entstehung haben das kalkhaltige Wasser und Moose den Überlauf verschwinden lassen und heute präsentiert sich der „Wasserbaum“ als wunderschönes und kurioses Natur/Kulturdenkmal.

Wasserbaum Ockensen

Wasserbaum Ockensen

Der Wasserbaum Ockensen ist nicht nur sehenswert, sondern bietet auch ein schönes Plätzchen zum ausgiebigen Rasten und Erleben. Infotafeln geben Auskunft über den Wasserbaum, seinen Naturlehrpfad und die Wander/Spaziermöglichkeiten in der Umgebung. Infos zum kleinen Naturschutzgebiet „Im Heidsieke“ sucht man leider vergeblich. Es handelt sich hierbei um ein Quellgebiet mit einem Hangquell-Kalkflachmoor und Grünflächen mit Orchideenbeständen. Da müssen wir wohl später noch einmal wiederkommen. Vom Wasserbaum aus, gehen wir jetzt ins „Bachtal“ des Ockenser Baches, das nicht nur durch zahlreiche Gehölze ein schönes Landschaftsbild bereithält. Nach einigen hundert Metern wenden wir uns schließlich nach links, überqueren den Hang und gehen dann auf einem Wiesenweg zur K11, die uns nach Wallensen bringt.

Wallensen wurde 1068 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber bereits im 9./10. Jahrhundert gegründet worden. Der Ort befand sich im Besitz der Grafen von Homburg und es existierte eine Burg homburgischer Vasallen außerhalb der Siedlung. Im Jahre 1351 erhielt Wallensen Stadtrechte, dazu zählten Markt-, Gerichts-, Brau- und Zollrechte. Die Stadt wurde zu dieser Zeit von einer Mauer mit Wall, Graben und drei Toren umgeben. Mit dem Niedergang der Homburger ging auch der Niedergang Wallensens einher und der Ort konnte, wie etliche andere auch, den Status einer Stadt nicht aufrecht erhalten. Nach einer Verwüstung und mehreren Bränden im 15. und 16. Jahrhundert erholte sich der Ort nur langsam und erst im 18. Jahrhundert erlebte man dann eine weitere Blütezeit mit dem Beginn des Kohlebergbaus.

Schon erstaunlich, wie sich manche Orte entwickelt haben. Wer möchte, kann natürlich noch einen Abstecher ins historische Zentrum Wallensens machen, das sich zwischen den Straßen Niedertor, Obertor, Bachstraße und Angerstraße von seiner besten Seite zeigt. Ansonsten gehen wir vor den ersten Häusern rechts hinauf, zum weithin sichtbaren Kriegerdenkmal. Ein schöner Platz mit Aussicht, für einen nicht so schönen Abschnitt unserer Geschichte. Wir streben weiter den Berg hinauf mit der Hoffnung im Herzen, das solche Zeiten niemals wiederkommen. Auf naturbelassenen Wegen gelangen wir auf den kleinen Höhenzug Horst, der eine schöne Rundumsicht über die Umgebung bietet und eine abwechslungsreiche Landschaft darstellt. Zahlreiche Gehölze säumen die Wege, Weiden und Wiesen, darunter besonders viele Schwarzdorn-Sträucher, die zur Blütezeit (leider etwas später) bestimmt ein spektakuläres Bild präsentieren. Wer möchte, kann (wie wir) an der Weggabelung noch bis zum Ende der Sträucher gehen oder gleich hier hinunter nach Hakenrode gehen.

Kriegerdenkmal in Wallensen

Kriegerdenkmal in Wallensen

Den Weg zum NSG „Sollberg“ haben wir uns diesmal gespart, weil wir ansonsten den restlichen Weg durch die leeren Felder hätten gehen müssen. Auf schönen Wegen geht es also hinab ins ebenfalls schöne Hakenrode, das hier abgeschieden und idyllisch abseits von Hektik und Lärm zu liegen scheint. Interessante alte Gebäude, alte Bäume und spannende Gärten versüßen uns jetzt den restlichen Weg auf der K11 zurück zum Ausgangspunkt. Man kann den Weg selbstverständlich auch zuerst unten beginnen, z.B. vom Wasserbaum aus und auch ansonsten umlegen, verkürzen und verlängern, aber erlebnisreich und wanderbar bleibt er auf jeden Fall. Wir haben die letzten Jahre lange und oft überlegt, wie wir den Ithkamm auf 1-2 Streckenwanderungen „absolvieren“ könnten. Wir hatten sogar schon eine Fahrt mit einem Taxi in Erwägung gezogen. Heute bin ich froh, das wir uns letztendlich für Rundwanderungen entschieden haben, denn unterhalb des spektakulären Ithkammes findet man teilweise reich strukturierte und erlebenswerte Landschaften. Der vorerst letzte Teil der Ith-Wanderungen wird nicht lange warten müssen!

Auf „Salzhemmendorf.de“ findet man umfangreiche Infos zur Geschichte der Orte des Fleckens, unter „Ith-Sagen.de“ gibt es mystisches zum Ith und seiner Umgebung zu lesen und zu hören. Die Mosterei Ockensen mit Scheunencafe bietet frische Säfte der Region und die Möglichkeit, vor, während oder nach einer Wanderung einzukehren.

L I T E R A T U R
  • Haeupler/Mühr – Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands – Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild – ISBN 978-3800149902
F O T O G A L E R I E

W A N D E R K A R T E / D O W N L O A D GPX

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Hakenrode - Ith - Hakenrode

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Hakenrode: 52.008965, 9.615161
Start / Ziel: 52.005597, 9.613606
Hammerslust: 52.017080, 9.589037
Dohnsener Klippen: 52.015245, 9.591129
Bremker Klippen: 52.023904, 9.583769
Parkplatz: 52.023204, 9.592894
Naturschutzgebiet \'Im Heidsieke\': 52.021999, 9.595785
Rastplatz / Bänke: 52.023036, 9.593065
Wasserbaum Ockensen: 52.023234, 9.593425
Scheunencafe und Mosterei Ockensen: 52.031756, 9.601289
Scheunencafe und Mosterei Ockensen: 52.031776, 9.601310
Naturschutzgebiet \'Ith\': 52.007842, 9.595141
Ehrenmal Wallensen: 52.014591, 9.618723
V E R W A N D T E
B E I T R Ä G E
P D F / E – M A I L / D R U C K