Die revolutionäre, und das lodernde Feuer des neuen Wandertrends, nachhaltig befeuernde Idee des Stempelns im Wald

ACHTUNG: Dies ist eine nicht gänzlich ernstzunehmende, aber auch nicht gänzlich von der Hand zu weisende, persönliche Betrachtung der allseits und bald auch allerortens beliebten Stempelwege  😉

Früher ließ man sich Ersttagsbriefe bei der Post abstempeln oder ging stempeln beim Arbeitsamt. Das gibt es zwar heute auch noch, aber es ist wesentlich weniger „trendy“, als im Wald den Stempeln hinterherzujagen. Keine Ahnung, wer das mal erfunden hat, aber besonders tolle Blüten treibt das Ganze im besten aller deutschen Mittelgebirge, dem sagenumwobenen Harz. Da strömen ja sowieso schon jedes Jahr Hunderttausende „Naturfreunde“ herbei, um z.B. mit ihrem Müll, ihrem literweise aufgetragenen Parfüm, ihrer Jackob-Wolfshaut-Einheitsuniform und ihrem ständigen Geplapper, dem ruhebedürftigen und gechillten Wanderer, aber auch noch den allerletzten Nerv zu rauben. Neuerdings kommen allerdings noch die motorisierten und teilweise organisierten Brigaden derjenigen dazu, die schon immer davon geträumt haben, einmal Kaiser zu sein. Sie sind auf der Jagd nach den begehrten Anstecknadeln, mit denen man sich schmücken kann, wie es die Kriegsveteranen mit ihren Tapferkeitsmedaillen tun. Da wird traditionell zu Fuß gegangen werden alle Hilfsmittel benutzt, wie z.B. Fahrrad, Mofa, Quad, Auto, Segway, Hubschrauber, Drohne, Kajak, Surfbrett etc., um möglichst schnell alle Stempelstellen abzugrasen. Ich rede Blödsinn? Ein Jahr hatte man Zeit, um die damals 222 Stempelstellen abzulaufen, aber die ersten 222 Blutblasensteine, für die ersten 222 Kaiser, waren bereits nach wenigen Wochen ausgegeben. Mittlerweile hat der Harz über 3.000 Wanderkaiser und auch schon Ultra-Kaiser und Turbo-Kaiser. Was da wohl Barbarossa oder Goethe zu gesagt hätten?

Gehe nicht dahin, wo der Stempel ist. Gehe dahin, wo der Stempel sein wird – Wayne Gretzky, Stempellegende

Naja, egal. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, hat ja schon der olle Fritz angeblich gesagt. Damit ihr also nicht denkt, ihr könntet völlig unvorbereitet und ohne anständige Ausrüstung, einfach mal drauflos marschieren, um euch so eine Blechnadel ans Hemd zu tackern, hier einige Tipps und Verhaltensregeln beim Stempellauf … hoffentlich bringe ich da jetzt nicht einige, auf eine noch weitaus absurdere Idee. Zuallererst müsst ihr euch für ein paar Mücken, die offizielle Harzwanderkaiserstempelwanderharzkarte und das dazugehörige Harzwanderkaiserstempelwanderharzkartenstempelbuch zulegen. Dann braucht ihr natürlich noch die entsprechende Wanderausrüstung, bestehend aus entsprechender Bekleidung, einem Rucksack einem oder mehreren, der oben bereits genannten Fahrzeuge. Per Routenplaner, legt ihr euch eine optimale Route an, geht mit fröhlichem Sang auf den Lippen los mietet euch einen Anhänger, packt den Fuhrpark drauf und sammelt die läppischen, mittlerweile auf 1.141 angestiegenen Stempelchen, so innerhalb weniger Tage ein. Gegen eine ebenfalls läppische Gebühr von 39,90€, gibt es dann einen ständig wechselnden Kieselstein mit ´nem Blechding, auf dem steht, das ihr jetzt Wanderkaiser seid. Dann dürft ihr euch ab sofort und in alle Ewigkeit Klaus-Bärbel der 342. oder Marie-Luise die 167. nennen. Toll!

Wir müssen stempeln, alles andere ist primär – Hans Krankl, Stempeltrainer

Wenn es man so einfach wäre! Aber damit es nicht ganz so simpel ist, sich einen der weltweit heißbegehrten Steine zu sichern, gibt es sogenannte Spielregeln. Das ist auch der einzige Punkt, an dem man das Stempel sammeln vom Briefmarken oder Bierdeckel sammeln, wirklich unterscheiden kann. Hier also diese Regeln:

  1. Der Harzkaiserwanderpass wird zwar auf ihren Namen ausgestellt, die Stempel können natürlich von jedermann reingestempelt werden. Falls sie einen professionellen Stempelläufer suchen, der auch ihren Pass mitnimmt und ihnen innerhalb weniger Wochen den vollgestempelten zurückbringt, informieren sie sich bitte in der regionalen Tagespresse. Im Pass sammeln sie, oder die von ihnen beauftragte Person, die Stempel für die Wanderabzeichen der verschiedenen Leistungsstufen. Theoretisch ist der Erwerb der Wanderabzeichen zwar nicht zeitgebunden, aber wer will schon lange warten oder sich womöglich noch jahrelang selbst die Füße plattlatschen.
  2. Die Stempelstellen finden Sie an 1.141 mehr oder minder sehenswerten Plätzen im Harz. Sie befinden sich z.B. bei Waldgaststätten, wo sie sich von den Anstrengungen des Stempelns erholen können. Sie verschandeln aber auch andernortens die Landschaft und stehen manchmal sogar direkt neben historischen Stätten, wie z.B. Grenzsteinen. Die Stempel befinden sich in dunkelgrünen Stempelkästen, welche Sie an ihrem zeitlos-stilvoll-eleganten Aussehen, schnell erkennen werden.
  3. Die Standorte der Stempelstellen finden Sie im Pass und theoretisch auch auf der offiziellen Wanderharzstempelkaiserkarte der Harzer Wanderkaiserharznadel. Da diese aber beim Wandern im Harz so viel taugt, wie der U-Bahn-Plan der Moskauer Metro, werden sie nicht umhin kommen, sich eine anständige Karte besorgen zu müssen.
  4. Ziel ist es, alle Stempel möglichst schnell und vielfach zu sammeln. Also ist es durchaus angeraten, sich gleich von Anfang an mehrere Dutzend Wanderpässe zu kaufen und gleichzeitig abzustempeln. So muss man auch den Weg nicht mehrfach abfahren oder abfliegen. Ebenso besteht natürlich auch die Möglichkeit, die vollgestempelten Wanderharzkaisernadelstempel-Heftchen, z.B. in einem Online-Portal, an den Meistbietenden zu versteigern.
  5. Sollte einmal ein Stempel nicht vorhanden sein oder ein Stempeln aus irgendwelchen persönlichen Gründen nicht möglich sein, so ist folgendes, kinderleichtes Prozedere anzuwenden. Sie warten am Stempelkasten, bis zwei weitere Gleichgesinnte vor Ort erschienen sind. Dann entfernen sie den Stempelkasten von seinem Standort, und machen sich damit zu dritt, auf den Weg in die zentrale Wanderkaiserharzstempel-Registrierstelle in Salzgitter-Bruchmachtersen. Unterwegs müssen sie sich von den Außenstellen im und außerhalb des Harzes, deren Standorte im Stempelheft stehen, schriftlich bestätigen lassen, das sie einen leeren Stempelkasten transportieren. In Salzgitter-Bruchmachtersen, oder einem der anderen Orte auf ihrem Weg, kaufen sie eine Harzer Mettwurst, ein gekochtes Ei und eine Flasche Ketchup. Damit begeben sie sich in die zentrale Registrierstelle, geben die Einkäufe ab, legen die Nachweise vor, zeigen den leeren Stempelkasten vor, singen gemeinsam die erste Strophe des Stemplerliedes (siehe Ende des Textes!), und erhalten dann, gegen eine geringe Gebühr von 79,90€, einen Ersatzstempel. Dann dürfen sie den wieder funktionstüchtigen Kasten selbst zurückbringen, ordnungsgemäß an seinem unnatürlichen Standort anbringen, und sich einen Stempel setzen.

TOP-TIPP: Unser Blanko-Notfallstempel, sorgt in solchen Fällen, trotzdem für einen Eintrag im Pass. Ihr handgefertigtes Stempelunikat, mit dem sie sich übrigens die Mühe sparen können, zum Stempeln überhaupt die Wohnung zu verlassen, finden sie für 1.999€ in unserem Online-Shop.

Man kann dir den Weg zum Stempel weisen, fahren musst du ihn selbst – Bruce Lee, Meister der Stempelkunst und Schau-Stempler

Zum Abschluss meiner mehr oder weniger nicht gänzlich ernstzunehmenden Betrachtung der Stempelwege, hier ein kleiner Auszug aus der immensen Vielfalt hochwertiger und höchst erstrebenswerter Titel und Preise, die es für eine bestimmte Anzahl Stempel gibt … selbstverständlich immer gegen eine sehr geringe Gebühr.

1 Stempel – Flachlandharzer – Eine Tüte Harzer Bergluft

5 Stempel – Harzvorländer – Eine Flasche Harzer Quellwasser

10 Stempel – Harzrandparker – Gutschein für einmal Falschparken

25 Stempel – Harzer Roller – Ein Kanarienvogel

100 Stempel – Harzer Kumpel – Eine Harzer Mettwurst, ein gekochtes Ei und eine Flasche Ketchup

111 Stempel – Harzer Steiger – Drei Harzer Mettwürste, zwei gekochte Eier und eine Flasche Ketchup

250 Stempel – Harzer Jubilar – ein Essen für zwei in der typisch-urigen Harzer „Bavaria Alm“ am Torfhaus

500 Stempel –  Goldener Harzer – Eine Palette echt Harzer Käse von Aldi

666 Stempel – Harzer Hex – Ein motorbetriebener Besen, Perücke, Hut und 5 Liter billigen Fusel für die richtige Stimmung

777 Stempel – Harzer Engel – Eine Harfe, Perücke, Heiligenschein und 5 Liter billigen Fusel gegen die Langeweile

1141 Stempel – Harzer Mordsbrocken – Eine Tüte Harzer Bergluft, eine Flasche Harzer Quellwasser, Gutschein für einmal Falschparken, ein Kanarienvogel, vier Harzer Mettwürste, drei gekochte Eier, zwei Flaschen Ketchup, ein Essen für zwei in der typisch-urigen Harzer „Bavaria Alm“ am Torfhaus, eine Palette echt Harzer Käse von Aldi, ein motorgetriebener Besen, eine Harfe, zwei Perücken, Hut, Heiligenschein, 10 Liter billigen Fusel gegen die Langeweile und für die richtige Stimmung, ein Eintrag im „Hasseröder Buch der Rekorde“ und eine lebenslange, uneingeschränkte Harzbetretungserlaubnis…

P.S.: Eigentlich bin ich ja nur tierisch neidisch auf die Leute, die einfach schneller, cleverer und gerissener sind als ich. Meine Maus und ich, hatten uns anfangs ja auch so ein Heftchen besorgt. Allerdings musste ich schnell feststellen, das in Hinblick auf diese Stempelsache, alles genauso läuft wie sonst auch. Anstand? Sportlichkeit? Gelassenheit? Dabeisein ist alles? Pustekuchen! Stattdessen rennen die Leute wie die Teufel, schubsen was das Zeug hält, nehmen was sie kriegen können … und wofür das Ganze? Da habe ich den Lappen, ohne auch nur eine Millisekunde zu zögern, in die Mülltonne befördert. Rennt ihr nur weiter euren Kieselsteinchen hinterher und denkt, ihr wärt Wanderkaiser. Wenn das so wäre, wäre ich der Wandergott … ganz ohne Stempelheftchen und Blechorden!


Das Stemplerlied

Drück drauf, Drück drauf, der Stempler kommt…
Und er hat sein kleines Heft bei der Hand
schon aufgemacht

Schon aufgemacht! Das gibt ein’n rein,
und damit stempeln wir ganz sacht
ein Stempelchen hinein

Ein Stempelchen hinein, wo ganz viele sein,
die da prangen, das das Herzelein lacht
hau rein hau rein