Gut erhaltene, ehemalige Wasserburg am Fuße des Salzgitter-Höhenzugs —

Kommt man heute nach Gebhardshagen, das im Laufe der letzten 100 Jahre buchstäblich aus den Nähten geplatzt ist, findet man nur noch wenig Erhaltenes aus früheren Zeiten. Wer allerdings den Ort als unschön bezeichnet, der sollte eine Zeitreise in die Mitte des 20. Jahrhunderts unternehmen, als die gesamte Umgebung Salzgitters den heute noch weit verbreiteten schlechten Ruf erzeugte. Vieles ist geschehen und heute kann man hier in der Umgebung schöne Landschaften bestaunen, die teilweise auch erst durch die Industriegeschichte entstanden sind. Der Reihersee und der Heerter See, die Haverlahwiese oder das „LSG Salzgitter-Nord“ sind nur einige Beispiele für die Entstehung „neuer“ Naturräume.

Die „Hauptattraktion“ des Ortes Gebhardshagen ist die ehemalige Wasserburg derer von Hagen, die hier vom 12. bis zum 13. Jahrhundert ihren Sitz hatten. Eine befestigte Anlage wird wohl schon Anfang des 11. Jahrhunderts entstanden sein, erste urkundliche Erwähnung war allerdings erst 1186. Namensgebend für die Burg, das Adelsgeschlecht und später auch die kleine Ansiedlung im Schutze der Burg, wird wohl ein Hagen genanntes Flur- und Waldstück gewesen sein. Im Jahre 1280 erlischt das Geschlecht der Hagens, die Burg fällt an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg.

Südseite der Innenburg

Südseite der Innenburg

Diese verpfändeten sie an die „Herren von Bortfeld“, die hier ihren Hauptsitz einnahmen und von 1293-1354 behielten. Um sie von weiteren Besitzungen mit dem Namen Hagen abzugrenzen, wurde der Burgname um das Gebhard erweitert, dieser war ein häufiger Vorname derer von Bortfeld. Bis zum Ende des 30-jährigen Krieges wurde die Burg von den Braunschweiger Herzögen mehrfach verpfändet, unter anderem an die Familien von Cramm, von Saldern und von Steinberg. In diesem Zeitraum wurde sie mehrfach mehr oder weniger zerstört und wieder aufgebaut, nach der letzten Zerstörung 1637 hatte sie dann ihren militärischen Zweck weitestgehend verloren.

Die Anlage wurde zwar wiederhergestellt, allerdings schüttete man den Burggraben zu, und im Rahmen der Umstrukturierung in eine landwirtschaftliche Domäne, erfolgte der Neubau von Wirtschaftsgebäuden nahe der Burg. Von 1671 bis 1986 diente die Anlage in großen Teilen der Landwirtschaft, von 1938 bis 1986 befand sie sich im Besitz der „Reichswerke Hermann Göring“ und dessen Nachfolgeunternehmen, der „Salzgitter Stahl AG“.

Seit 1986 schließlich befindet sich die Burganlage im Besitz der Stadt Salzgitter, der „Förderverein Wasserburg Gebhardshagen e.V.“ kümmert sich sehr engagiert um den Erhalt und die Pflege des Gesamtensembles. Das ehemalige Hofmeisterhaus (der Name ist Programm) ist Sitz des Vereins, der angrenzende Pferdestall wurde aufwändig saniert und steht für verschiedene Veranstaltungen zur Verfügung, z.B. Lesungen, Konzerten oder Messen. Im ebenfalls sanierten Amtswohnhaus kann man den Gewölbekeller für private Feiern mieten, im Burghof finden z.B. das Schützenfest des Ortes, Open-Air-Konzerte oder der kleine Burgweihnachtsmarkt statt.

Auch wenn die Anlage wirklich nur noch eine kleine „Traditionsinsel“ in Gebhardshagen darstellt, lohnt sich ein Besuch allemal, besonders natürlich zu einer der Veranstaltungen, wenn man auch mal „hinter die Kulissen“ schauen kann. Von Gebhardshagen aus lohnen sich auch Wanderungen in das „LSG Salzgitter Höhenzug (Nord)“, das hier praktisch direkt vor der Haustür liegt. Von hier aus kann man z.B. zur Burgruine Lichtenberg, auf den teilweise wunderschönen Kamm des Höhenzugs oder in die verschiedenen ehemaligen Bergbaugebiete wandern, wie z.B. zum Reihersee oder zur Haverlahwiese. Infos zu Wanderwegen gibt es auf „Salzgitter.de“, hier findet man auch eine virtuelle Version der Wanderkarte „Wanderbares Salzgitter“ auf dem Stadtplan.

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