Von Baddeckenstedt über Oelber am weißen Wege und das Naturschutzgebiet „Mittleres Innerstetal mit Kanstein“ nach Derneburg —

Baddeckenstedt – NSG „Steinbruch Baddeckenstedt“ – Rasteberg – Oelber am weißen Wege – Schloss Oelber – Lichtenberge – Am Bockern – Wartjenstedt – NSG „Mittleres Innerstetal mit Kanstein“ – Bergmühle – Innerstebrücken Grasdorf – Derneburg
Ende August 2016
Vom Bahnhof Baddeckenstedt oder Bahnhof Derneburg. Für Autofahrer gibt es an beiden Bahnhöfen Parkmöglichkeiten bzw. man startet/endet am Schloss Derneburg
Knapp über 100 Höhenmeter Steigungen, also nicht nennenswert. Die Wegequalität ist insgesamt gut. Viele schmale Pfade und Graswege im Wald und an der Innerste, aber z.B. auch asphaltierte „Ortsbegehungen“
Umgebung des NSG „Steinbruch Baddeckenstedt“, Schloss Oelber, NSG „Mittleres Innerstetal mit Kanstein“, Bergmühle und Innerstebrücken bei Grasdorf, Schloss Derneburg (optional)
Die Bahnhöfe „Derneburg“ und „Baddeckenstedt“ sind bahntechnisch bestens von z.B. Hildesheim oder Goslar/Bad Harzburg erreichbar

So! Mit starker Verspätung noch einmal eine Tour an der Innerste. Mit dieser dritten bzw. wenn man die Runde bei Ringelheim mitrechnet, vierten Begehung der Innerste außerhalb des Harzes, enden die Exkursionen vorerst. Denn von Langelsheim bis Baddeckenstedt, wird es etwas schwieriger, dem Fluss direkt zu folgen. Von Wartjenstedt bis Hildesheim, und darüber hinaus bis hinter das NSG „Haseder Busch“, ist der Fluss allerdings auf weiten Strecken sehr wanderbar. So auch heute, wenngleich die Hälfte der Strecke, wegen bereits fehlender Wege, abseits der Innerste verläuft. Aber auch diese „Füllstrecke“ ist durchaus sehr schön und es geht auf schmalem Pfad am Waldrand des Rastebergs und der Lichtenberge entlang. Also auf zu einer der, zumindest für uns, interessantesten und wanderbarsten Flusslandschaften unserer Heimat.

Blick über Baddeckenstedt zum Hainberg

Blick über Baddeckenstedt zum Hainberg

Start ist, je nach gewünschter Gehrichtung und/oder Anreisemittel, in Baddeckenstedt oder Derneburg. Ebenso kann man aus den drei Touren an der Innerste, auch zwei, eine … oder natürlich auch vier oder fünf machen. Für uns ging es in Baddeckenstedt los, weil wir bei längerer Wartezeit auf den Zug, in Derneburg schönere Möglichkeiten sahen, uns die Zeit zu vertreiben. Vom Bahnhof in Baddeckenstedt geht es an der Hauptstraße entlang, durchs „Geschäftsviertel“. Kleiner Tipp am Rande: Geht man an der Stelle, an der wir von der Hauptstraße abbiegen, ein kleines Stück weiter, geht es rechts in die Lindenstraße. Nach ca. 200m erreicht man die Bäckerei Jendraß, gegenüber das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik. Dort werden, und das ist heute wirklich eine Seltenheit, zu angenehmen Preisen, noch wirklich richtig leckere Sachen gebacken. Wir sind ja beide quasi „vom Fach“ und schaffen es selten, hier vorbeizufahren, ohne uns etwas mitzunehmen. Probieren geht über studieren und guten Appetit! Wer ein bisschen wenig Verpflegung mit hat, dem sei ein Abstecher empfohlen.

Wir gehen die steile Straße „Am Rasteberg“ hinauf, die uns auf den gleichnamigen Berg bringt und zum Naturschutzgebiet „Steinbruch Baddeckenstedt“. Der schmale Pfad, der uns in den Wald führt, ist auf einigen Karten nicht existent, existiert aber. Ein netter, kleiner Wald, der im Frühling nur so vor Veilchen strotzt. Oberhalb des Steinbruches, der nicht zugänglich und auch nur ein wenig einsehbar ist, stehen einige Bänke und man hat eine Aussicht ins nahe Innerstetal. Auf schmalem Weg geht es weiter am Waldrand des Rasteberges, mit Aussicht auf das nahegelegene Oelber. Zwei Wege laufen hier kurzzeitig parallel, einer am Waldrand, der andere ein paar Meter im Wald. Mit stetigem Blick in das Tal zwischen den Höhenzügen, erreichen wir Oelber am weißen Wege, und nach einigen hundert Metern durch den Ort, den „Schlossbezirk“. Zuerst kommen wir zur kleinen St. Annen-Kirche mit sehenswerten, eingemauerten Grabplatten, dann geht es am Friedhof derer von Cramm, mit sehenswerter Kapelle, zum Schloss Oelber. Das ist leider kaum einsehbar, da die momentanen Besitzer es vorziehen, sich durch einen fast schon albern hohen Zaun, vom einfachen Volke abgrenzen. Zu den hier stattfindenden Events kann man, gegen entsprechenden Eintritt, das Schlossgelände inspizieren.

Wunderbarer Waldpfad

Wunderbarer Waldpfad

Kurz geht es durchs „Zentrum“ des abgeschieden gelegenen Ortes, dann an Obstbäumen entlang, schon wieder hinaus in den Wald der Lichtenberge. Eine Bank am Waldrand lädt zum Verweilen ein, bevor es auf den wirklich schönen Weg in Richtung Wartjenstedt geht. Solche Wald/Waldrandwege, mit teilweise altem Laubbaumbestad, kann es im Grunde genommen, gar nicht genug geben. Zuerst geht es durch den Wald, dann folgen wir dem Weg am Rand, von Ost nach West. Am Bockern befindet sich ein großes Waldgrundstück, mit einem hervorragend abgeschieden gelegenem Wohnhaus. Da fragen wir uns immer, ob die Leute, die hier wohnen, das auch zu schätzen wissen. Hinter dem Grundstück, ist der Weg im Sommer etwas verkrautet, aber noch gut erkennbar und begehbar. Hier muss in früheren Zeiten irgendetwas abgebaut worden sein, wovon noch einige Grundstücke und Gebäude zeugen. Schließlich erreichen wir das Ende des Waldes und gehen auf dem schnurgeraden, asphaltierten Weg hinunter nach Wartjenstedt.

Eine kleine Durststrecke, wenn man so will. Aber auch in Dörfern kann man, wenn man die Augen offen hält, immer das ein oder andere Interessante entdecken. Wir begegneten am Ortsende z.B. mehreren jungen Alpakas, die hier gezüchtet werden, uns aus gebührendem Abstand beäugten und ihre wuscheligen Ohren aufstellten. Auf der Brunnenstraße verlassen wir den Ort auch schon wieder, überqueren auf der alten Straße die umtriebige B6 und kommen zu einigen Fischteichen, die wohl durch Kiesabbau entstanden sind. Diese sind zwar Privatgelände, aber etwas abseits unseres Weges, gibt es eine nette Pausenbank mit Aussicht auf den westlich gelegenen See. Das stimmt schön ein auf unseren weiteren Weg, der jetzt eigentlich „nur“ noch die Innerste begleitet, die hier als Naturschutzgebiet „Mittleres Innerstetal mit Kanstein“ ausgewiesen ist. Das kann ich gleich vorwegnehmen, das jetzt einer der interessantesten und wanderbarsten Abschnitte folgt, den das im Harz entspringende Flüsschen zu bieten hat.

Zwischen der seit dem 12. Jahrhundert existierenden Bindermühle und der weiter flussabwärts gelegenen Bergmühle, erreichen wir das Innersteufer. Das Flusstal präsentiert sich hier gleich gewohnt schön, mit einer streckenweise parkähnlichen Landschaft. Im Hochsommer sind nicht mehr viele Blühpflanzen zu bestaunen, aber Überreste von Veilchen, Thymian oder dem Tausendgüldenkraut, lassen sich noch erkennen. Mit etwas Glück kann man auch dem gar nicht so seltenen Eisvogel oder anderen „Wasservögeln“ begegnen. Auf dem wunderbar weichen Weg, unterqueren wir die erste von zwei Autobahnen des Tages, die A39. Die ist aber, zumindest außerhalb eventueller Stoßzeiten, noch relativ wenig befahren und kaum wahrnehmbar. Dahinter geht es, immer am Ufer der Innerste, weiter zur sehenswerten Bergmühle, die im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, und bis 1942 als Wassermühle betrieben wurde. Seit den 1970er Jahren, befindet sich am Mühlengelände ein Campingplatz.

Die schöne Bergmühle Grasdorf

Die schöne Bergmühle Grasdorf

Von der zur Mühle führenden Brücke, bietet sich schon ein imposanter Anblick auf die Ziegelstein-Fachwerkbauten der Mühle. Wir sind immer außen an der Mühle vorbeigegangen bzw. bisher nur gefahren. Es gibt aber anscheinend auch einen Weg, der über das Mühlengelände, zum Bolzplatz Grasdorf führt. Ob dieser Weg öffentlich zugänglich ist, kann ich leider bis zur nächsten Begehung, noch nicht sagen. Im Notfall hilft aber immer fragen. Der Weg außen rum, zwischen Mühlgraben und Innerste auf der einen und dem namensgebenden Oheberg auf der anderen Seite, ist aber auch nicht allzu übel. Hier muss früher mehr los gewesen sein, denn mehrere, kaum noch erkennbare und größtenteils verrottete Holztreppen führen auf den Hügel. Am Ende der einen ist noch eine „Schutzhütte“ erkennbar. Am Ende des Weges erwarten uns zwei schöne Brücken über die Innerste. Einmal die historische, steinerne  Zweibogenbrücke, und die vor einigen Jahren im Laves-Stil errichtete, hölzerne Fußgängerbrücke.

Hier am Innerstewehr, ein weiterer Mühlgraben zweigt hier ab, ist es irgendwie idyllisch. Vom Wehr bietet sich ein schöner Blick, über das gestaute Wasser zur Zweibogenbrücke. Leider gibt es hier, da es keine offiziellen Rad/Wanderwege gibt, auch keine großartigen Möglichkeiten zur Rast. Dafür beginnt hier der vielleicht urigste Wegeabschnitt des Tages, der uns der Innerste so nah kommen lässt, wie kaum irgendwo anders. Anfangs noch durch eine parkähnliche Landschaft, geht es dann auf einem kleinen Stokelpfad, durch ein von Kiefern dominiertes Wäldchen, immer nahe des einige Meter unter uns gelegenen Flüsschens. (Nicht nur) hier kann man sogar auf den mehr oder weniger schwermetallbelasteten Böden der Innerste, etliche Stendelwurzen ausmachen. Diese relativ unscheinbar daherkommende, heimische Wildorchideengattung, ist wohl sowieso die anspruchsloseste aller Orchideen. Wir haben schon Exemplare in Gärten in Hildesheim gesehen, und erst vor einigen Tagen mussten wir feststellen, das am Fahrradständer unseres Hauses, eine dieser Pflanzen, direkt aus der Hecke herauswächst.

Irgendwann ist die A7 wirklich nicht mehr zu überhören, trübte für uns den wunderbaren Weg aber kaum. Unter der Autobahnbrücke gibt es größere Auswaschungen am Ufer, dahinter geht es noch einmal knallhart am Uferrand entlang. Bei hohem Wasserstand empfiehlt sich eine Begehung hier eher nicht. Die Bewaldung wird lockerer und links von uns, schälen sich die Häuser am Rande Holles heraus. Im Sommer ist es hier mehr oder weniger verkrautet. Wir mussten uns z.B. durch einen dschungelartig mit dem Drüsigen Springkraut bewachsenen Abschnitt kämpfen. Dann öffnet sich die Landschaft aber noch einmal für uns, und auf den letzten Metern an der Innerste, kann der Blick wieder frei schweifen. An der Brücke zum Campingplatz „Seecamp“, gehen wir nach links zur Bahnhofstraße (K305), an der wir die letzten Meter zum Bahnhof Derneburg zurücklegen. Man kann hier auch noch ein Stück verlängern, wenn man will. Dazu geht man z.B. über die kleine Holzbrücke, und folgt dahinter dem Weg nach links. An der nächsten Abzweigung geht man wieder links und gelangt so durch die Innersteaue zur K305. Der folgt man kurz bis zum Ufer der Nette, wo man über den nördlichen Teil des Lavespfades und die Kastanienallee (Schlossstraße) zum Bahnhof geht.

L I T E R A T U R
  • Haeupler/Mühr – Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands – Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild – ISBN 978-3800149902
    • VHS Hildesheim – Reiseführer Hildesheimer Land – ISBN 978-3806785067
      • Paul-Feindt-Stiftung – Naturraum Innerstetal (Natur und Landschaft im Landkreis Hildesheim) – ISBN 978-3806785852
      F O T O G A L E R I E

      W A N D E R K A R T E / D O W N L O A D GPX

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      Baddeckenstedt - Innerste - Derneburg

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      Start / Ziel: 52.089137, 10.228872
      Bäckerei/Cafe Jendraß: 52.087108, 10.233110
      Parkplatz: 52.089186, 10.229892
      NSG \'Steinbruch Baddeckenstedt\': 52.091592, 10.229870
      Bank: 52.091730, 10.230975
      Aussichtspunkt: 52.091552, 10.230986
      St. Annen-Kirche: 52.100262, 10.238367
      Kapelle Friedhof von Cramm: 52.100545, 10.239215
      Schloss Oelber: 52.101689, 10.237949
      Obstbaumweg: 52.103034, 10.231555
      Bank: 52.104226, 10.230374
      Am Bockern: 52.108305, 10.215558
      Bank: 52.102669, 10.188709
      NSG \'Mittleres Innerstetal mit Kanstein\': 52.103264, 10.180035
      Fischteiche / Ehem. Kiesteiche: 52.102027, 10.193553
      Die ehem. Bergmühle: 52.105057, 10.174906
      Ehem. Schutzhütte mit Treppe: 52.104743, 10.169633
      Bank: 52.104414, 10.167439
      Hist. Zweibogenbrücke und \'Lavesbrücke\': 52.104163, 10.166785
      Innerstewehr: 52.103881, 10.165371
      Die Derneburger Teiche: 52.096028, 10.137870
      Schloss Derneburg mit Nebengebäuden: 52.095468, 10.133150
      NSG \'Mittleres Innerstetal mit Kanstein\': 52.099435, 10.146872
      V E R W A N D T E
      B E I T R Ä G E
      P D F / E – M A I L / D R U C K