Auf den Spuren der Kulturgeschichte einer Region, vom Kurort Bad Münder in die Bergmannssiedlung Osterwald —

Bad Münder – Ohrenberg – Mathildental – Katzberg – Altenhagen I – KD Kukesburg – Brünnighausen – Tivoli – Nesselberg – Pulvermühle – Ikenburg – Salzburg – Osterwald – Bhf. Osterwald
Mitte August 2016
Deisterbahnhof Bad Münder. Alternativ Bahnhof Osterwald.
Knapp über 400 Höhenmeter Steigungen, gut über die Strecke verteilt. In der ersten Hälfte teils etwas „garstige“ Wege, dafür in der zweiten teils traumhafte Waldpfade
NSG „Saupark“ mit ND „Kukesburg“, Relikte der Besiedlungs- und Bergbaugeschichte, wie z.B. Nesselberg, Ikenburg, Salzburg, Steinbrinkstollen etc., Berg- und Bergmannsdorf Osterwald
Unproblematische An/Abreise aus allen Richtungen (Hameln, Hannover, Hildesheim) zum Bhf. Bad Münder oder Bhf. Osterwald

Vor ca. 15 Jahren, wanderten wir das erste und einzige Mal von Bad Münder nach Osterwald, ohne etwas von einem Bergmannsweg zu wissen. Dieser wurde in seiner heutigen Form, aber wohl auch erst 2009 „in Betrieb genommen“. Weitestgehend liefen wir damals deckungsgleich mit dem jetzigen Verlauf, gingen allerdings eher auf den parallel verlaufenden, teils sehr breiten Wegen. Mit diesen Wegen, machten wir von Bad Münder bis Brünnighausen, auch dieses Mal wieder Bekanntschaft. Und ich war kurz vor dem Ort, noch am Überlegen, ob ich von diesem Weg überhaupt einen Beitrag einstelle. Wir wollten sogar schon abbrechen und hinunter gehen zum Bahnhof Coppenbrügge. Glücklicherweise besiegten wir unseren inneren Schweinehund und gingen weiter. Hinter Brünnighausen, wird der Weg dann auf weiten Strecken auch sehr viel angenehmer, und bietet neben teils wunderbaren, schmalen Pfaden, auch ein hohes Maß an kulturhistorischen und natürlichen Erlebnissen. Wer die Möglichkeit hat und wem die mindestens 22km eh zu viel sind, dem empfehle ich, von Brünnighausen, oder noch weiter östlich, nach Osterwald zu gehen. Ebenso haben wir den Weg bei Osterwald, da wir diesen wunderbaren Ort schon etwas kennen, auf einen etwas angenehmer zu gehenden Weg verlegt. Der originale Weg vom Ort zum Bahnhof, ist wirklich kein schöner Abschluss für eine schöne Wanderung. Um den außergewöhnlichen Ort zu erkunden, mit seinem Besucher-Bergwerk „Hüttenstollen“ und seiner Waldbühne, sollte man sich dann sowieso extra ein paar Stunden Zeit nehmen.

Aussicht ins Leine/Weserbergland

Aussicht ins Leine/Weserbergland

Start war für uns der Bahnhof in Bad Münder. Meine Maus wollte den Weg gleich mit dem Smarty tracken, wovon ich sie großspurig abhielt, mit den Worten: „Der Weg ist garantiert perfekt ausgeschildert und bestimmt erinnern wir uns noch an das meiste“. Fünfzehn Minuten später, war ich in der Hinsicht schlauer geworden. Denn nach anfänglich noch guter Beschilderung, änderte sich das und wir irrten mehrfach an der Bushaltestelle hin und her. Schließlich fanden wir doch noch den richtigen Einstieg und waren fortan etwas vorsichtiger. Das war auch gut so, denn die Beschilderung des Weges ist teils schon etwas in die Jahre gekommen und einige Wegweiser fehlen mittlerweile. Zunächst geht es auf einem Feldweg zur Hamel, die vielleicht der heutigen Stadt Hameln ihren Namen gegeben hat, oder aber auch nicht. Eine kleine Brücke führt uns über den Bach. Das ist die erste von wesentlich mehr als sieben Brücken, die wir heute überqueren werden. Ich denke, es werden insgesamt ein Dutzend sein, wobei nicht alle immer über Wasser führen.

Ein wenig bleiben wir am Flüsschen, dann geht es in den Wald des Ohrenberges. Ein netter Weg führt uns leicht bergauf zum ehemaligen Feriendorf Berliner Heim, das heute vergittert und trostlos, im Wald auf einen Märchenprinzen wartet, der es wachküsst. Dann geht es auch schon wieder hinaus und mit Aussichten ins südlich gelegene Bergland, hinab ins Mathildental. An einem ausgedehnten Privatgrundstück vorbei, erreichen wir den Katzberg, an dessen Waldrand wir uns noch ein bisschen nach oben arbeiten. Als Belohnung gibt es eine Pausenbank mit schöner Aussicht, und einem wohl hier gepflanzten Exemplar der sagenumwobenen, seltenen Süntelbuche. Ein asphaltierter Weg, der zur rechten Zeit zur „Naschstraße“ (Mirabellen, Pflaumen, Äpfel und Birnen) wird, führt uns jetzt hinab ins namentlich etwas seltsam anmutende Altenhagen I. Wo man andernortens, ein Anhängsel an gleichnamige Orte in unmittelbarer Nähe anhängt, wurden die beiden im Landkreis Springe befindlichen Dörfer, der Einfachheit halber durchnummeriert.

Die Überquerung der B217 ist wirklich ungünstig gelöst, weil hier die Leitplanken einfach durchgezogen wurde. Bei starkem Verkehr ist es also nicht gänzlich ungefährlich, über die Straße zu gelangen. Auf der anderen Seite geht es dann durch den teils sehr sehenswerten Ortskern. Da wir Döspaddels uns um eine Straße parallel verliefen, kann ich darüber leider nicht viel berichten. Am Waldrand angekommen, stößt man aber auf jeden Fall wieder auf den Bergmannsweg. Der führt an einem Kriegerdenkmal mit Bänken vorbei, zu einem Platz mit Wanderkarten und Wegweisern. Hier betreten wir das Naturschutzgebiet „Saupark“ mit dem gleichnamigen Saupark Springe, das wir erst bei Nesselberg wieder hinter uns lassen. Dieses 2.580ha große Naturschutzgebiet, umfasst die Höhenzüge des Kleinen Deisters und des Nesselberges. Nahezu der gesamte Kleine Deister, wird dabei von einer 16,3km langen und 2m hohen Mauer umfasst, die ab dem 19. Jahrhundert, das Hofjagdgebiet der hannoverschen Könige schützte. Das ist einmalig in Norddeutschland und der Saupark, stellt heute für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste, eine Schutzzone dar.

Ehemaliger Steinbruch

Ehemaliger Steinbruch

Auf dieser Strecke zwischen Altenhagen I und Brünnighausen, offenbart sich selbst in einem Naturschutzgebiet, die Problematik vieler Wälder in unserer Gegend. Denn ebenso wie z.B. im Hils, im Hildesheimer Wald, im nördlichen Deister oder im Solling, sind die Waldgebiete von Nesselberg und Osterwald, immer noch weitestgehend von der Fichte geprägt. In Zeiten und Gegenden, in denen Holz und Kohle in rauen Mengen benötigt wurden, war dieser schnellwachsende, vielseitig verwendbare, aber hier eigentlich nicht natürlich vorkommende Baum, immer erste Wahl. Dadurch bedingt, gibt es in solchen Waldgebieten viele, zumeist stark ausgebaute Fahr- und Transportwege. Das macht es für die Holzindustrie das Leben einfach, und es macht dem Genusswanderer das Leben schwer. Denn bei aller Liebe, zu allen Formen der Schöpfung und einigen Entdeckungen am Wegesrande, macht es wenig Spaß, stundenlang auf breiten Wegen, durch einen solchen Wald zu stapfen. Auflockerung erfährt man nur durch zwei kurze Blicke in ehemalige Steinbrüche, denn auch die Kukesburg ist nicht ausgeschildert, und somit wohl auch nicht erreichbar. Wir hatten sogar noch das „Glück“, das kurz vor dem Abstieg vom Nesselberg, zwei verharmlosend Holzvollernter gennante Wald-Terminatoren, richtig übelst „aufgeräumt“ hatten.

Das hätte uns, wie schon erwähnt, beinahe den Spaß dermaßen verdorben, das wir schon nach Coppenbrügge abbrechen wollten. Aber wir besannen uns dann doch des Charakters des Weges. Die Bergleute, die damals hier entlang, tagtäglich stundenlang zur Arbeit und nach Hause gingen, hatten gar nicht die Möglichkeit, den Weg in irgendeiner Weise zu genießen. Also Schluss mit dem Gejammer auf höchstem Niveau! Und glücklicherweise wird der Weg dann ab Brünnighausen, nach und nach immer schöner. Ab hier bekommt man auch, auf immer mehr Infotafeln, die Kulturhistorie der Orte am südlichen Rand von Nesselberg und Osterwald vermittelt. Die Ausblicke nehmen auch zu, sind aber leider hier noch, von den wie Pilze aus dem Boden schießenden Windmeilern geprägt. Dafür verläuft der Bergmannsweg jetzt weitgehend als schmaler Trampelpfad, mal alleine, mal parallel zu breiteren Wegen oder der Waldrandstraße, die die kleinen Orte miteinander verbindet. An Bänken, Rastplätzen und Schutzhütten, um zu rasten oder schlechtem Wetter zu entfliehen, mangelt es ab jetzt auch auf gar keinen Fall. Immer wieder führen uns kleine Brücken über die zahlreichen, mehr oder weniger Wasser führenden Bäche, die zahlreich dem Wald entspringen. So geht es allemal, schon etwas entspannter zur Sache, und der von zahlreichen alten Bäumen, hauptsächlich Buchen und Eichen, gesäumte Weg, wird immer wanderbarer.

Mundloch des Steinbrinkstollen

Mundloch des Steinbrinkstollen

Vorbei am Tivoli, dem Burckhardts-Platz und einigen alten Stollen, von denen nur noch Infotafeln zeugen, gelangen wir zur Siedlung Nesselberg mit dem Steinbrinkstollen. Dieser ist, neben dem Bergwerk in Osterwald, das vielleicht auffälligste Zeugnis, früherer menschlicher Tätigkeit am Bergmannsweg. Hier wurde in liebevoller Arbeit ein Stück Bergmannsgeschichte bewahrt. Von hier aus, geht es dann zur Pulvermühle mit dem schönen Rastplatz an der Tannenhütte. Ein wunderbarer Abschnitt des Weges, der uns über die L422 und den Gelbbach, am Waldrand oberhalb von Dörpe entlangführt. Dörpe selbst hat auch noch einen kleinen Bergmannsweg, den man bei Bedarf in die Tour einbinden kann. Wieder ein kleines Highlight, erwartet uns am Panoramablick Drei Dicke Buchen, an dem uns neben einem „unbiologischen“ Ausblick zum Ith, ein schöner Rastplatz, und wesentlich mehr als nur drei dicke Buchen erwarten.

Der jetzt immer traumhafter werdende Pfad, nur selten von kurzen Passagen auf breiten Wegen unterbrochen, führt uns zur Siedlung Ikenburg, und dann in die Nähe der Siedlung Salzburg. Hier fanden 1733 protestantische Flüchtlinge aus dem Raum Salzburg-Berchtesgaden, auf Bestreben des hannoverschen Königs, eine neue Heimat. Die lange existierende Gaststätte „Salzburg“, ist jetzt leider schon etliche Jahre geschlossen. Jetzt gelangen wir wieder auf einen der wirklich schönen Abschnitte des Bergmannweges, der uns später sogar fast ein wenig in die Waldeinsamkeit geleitet. Im letzten Abschnitt vor Osterwald, überqueren wir auf einem völlig naturbelassenen Weg, noch einmal etliche kleine Brücken. Schließlich erreichen wir einen breiteren Forstweg, der uns in Kürze nach Osterwald führt. Hier bleibt es jedem überlassen, dem Bergmannsweg weiter zu folgen. Der führt mitten durch den Ort, und dann an der Straße entlang, zum weit außerhalb gelegenen Bahnhof. Für die Erkundung dieses wirklich hochinteressanten Ortes, empfehle ich, einen Halbtages oder sogar einen Tagesausflug einzuplanen. Denn hier gibt es einfach jede Menge zu entdecken, zu erkunden und die ein oder andere Möglichkeit zur Einkehr.

Da wir Osterwald erst vor „kurzem“ mal wieder ausgiebig erkundet hatten, wählten wir also einen „wanderisch“ etwas angenehmeren Abschluss, als den Radweg an der teils stark befahrenen K5. Durch den Breiten Weg und den Pottkuhlenweg, geht es hinab ins Tal des Auebaches. Am Ende Osterwalds, erwartet uns ein freundlicher Wiesenweg, der strauch- und baumbestanden hinabführt. An einem Gartengrundstück vorbei, gehen wir auf einem angenehmen Feldweg parallel zur Aue, und gelangen so recht freundlich zu unserem Tagesziel, dem Bahnhof in Osterwald, von wo aus es verdientermaßen in die Heimat geht.

Wanderbarer Pfad nach Osterwald

Wanderbarer Pfad nach Osterwald

Sorry, das der für meine Verhältnisse recht kurze Beitrag, vieles auslässt und nicht einmal annähernd dem Erlebniswert des Weges entspricht. Aber es gibt einfach zu viel zu erleben auf diesen knapp über 20km, und jeder sollte sich da sein eigenes Bild machen, und bei Interesse selbst ein wenig nachforschen. Der Bergmannsweg, der anfangs seine Ecken und Kanten hatte, erwies sich letztendlich auf jeden Fall als sehr wanderbar. Besonders der Abschnitt ab Brünnighausen, kann als weitestgehend sehr schön bezeichnet werden. Unser Dank gilt an dieser Stelle auch den zahlreichen Helfern, die ehrenamtlich daran mitwirken, das der Weg, Bänke, Rastplätze und alles andere, erhalten werden. Besonderen „Wert“ hat der Weg aber auch, weil er, wenn ich das mal so sagen darf, der schönste ist in den drei Höhenzügen Kleiner Deister, Nesselberg und Osterwald. Vielleicht werden nachfolgende Generationen das Glück haben, das die Wälder wieder natürlicher und die Wege wieder schmaler werden. Solange sollte man hoffen, das ein solcher Weg nicht allmählich in Vergessenheit gerät.

L I T E R A T U R
  • Haeupler/Mühr – Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands – Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild – ISBN 978-3800149902
F O T O G A L E R I E

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Bad Münder - Bergmannsweg - Osterwald

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Start / Ziel: 52.177919, 9.468155
Ehemaliges Berliner Heim: 52.184649, 9.478213
Bank: 52.179629, 9.501629
Junge Süntelbuche: 52.179669, 9.501248
Die \'Naschstraße\': 52.178340, 9.505084
Gefährlicher Übergang: 52.172596, 9.511714
Kriegerdenkmal: 52.168388, 9.527174
Bänke: 52.168431, 9.527276
Wanderkarten zum Bergmannsweg und Osterwald: 52.169076, 9.528837
Steinbruch am Nesselberg: 52.160178, 9.531820
Naturschutzgebiet \'Saupark\': 52.156136, 9.556217
Kulturdenkmal Kukesburg: 52.161060, 9.527829
Brünnighausen: 52.151924, 9.530296
Altenhagen I: 52.169286, 9.518237
Parkplatz mit Wanderkarten: 52.154030, 9.534829
Bank: 52.154007, 9.537367
Schutzhütte \'Tivoli\': 52.151733, 9.546304
Nesselberg: 52.144550, 9.559715
Dörpe: 52.135872, 9.567010
Schutzhütte \'Tannenecke\': 52.142351, 9.568276
Parkplatz: 52.143092, 9.574311
Panoramablick \'Drei Dicke Buchen\': 52.137696, 9.578522
Rastplatz: 52.137581, 9.578646
Ikenburg: 52.133119, 9.585357
Salzburg: 52.125268, 9.581602
Der Dörper Bergmannspfad: 52.136925, 9.573834
Kriegerdenkmal: 52.125545, 9.582664
Bänke: 52.125525, 9.582621
Bank: 52.111513, 9.608102
Besucherbergwerk Osterwald: 52.114155, 9.625504
Parkplatz: 52.097068, 9.635900
Bahnhof Osterwald: 52.097239, 9.636447
Freilichtbühne Osterwald: 52.112936, 9.626008
Antik-Cafe \'Zauberquell\': 52.109841, 9.623897
Die Aue: 52.100613, 9.626105
Burckhardts Platz: 52.148079, 9.553514
Der Steinbrinkstollen: 52.144679, 9.560852
V E R W A N D T E
B E I T R Ä G E
P D F / E – M A I L / D R U C K